Eine letzte Wall of Text, die die erschlagen möge, die meine zahlreichen während der vergangenen sieben Jahren nicht lasen, beginnend mit einer Reminiszenz an schöne Jahre.
Als SWTOR angekündigt wurde war ich skeptisch. Damals habe ich noch WoW gespielt und war Progress-Raid-Leiter, nachdem das RP auf dem "Zirkel des Cenarius" zunächst ohnehin nur in einem sehr kleinen Kreis stattfand und dann ganz ausgestorben war. Die Grafik in SWTOR sah damals auf der Gamescom wirklich nicht so berauschend aus. Alles war kantig, wie bei den ersten zwei Staffeln Clone Wars. Aber das wurde besser und Star Wars reizte ja schon immer.
So habe ich im Januar/Februar 2011 mein WoW-Abo gekündigt, da mich die Story dort gar nicht mehr reizte, das PvE und PvP farblos wurde und eben weil SWTOR und die Gilden-RP-Planung vor der Tür stand.
Die Wächter Ziosts wurden dann schon im Prerelease gegründet. Irgendein Programm gab es, damit sich Gilden bereits im Vorfeld gründen konnten. Ja, damit sind wir schon alt und gehören wohl mit einer handvoll anderer Gilden hier zu den Dienstältesten ![]()
Der erste Spieler außerhalb der Gilde den ich damals im offenen RP traf war Areus - der damalige Leiter des Sithordens. Ich habe damals das getan was ich in Themepark MMOs immer gerne tue bevor ich auch nur an RP denke: Ich habe die Story komplett durchgespielt. Damit traf ich Anfang Januar 2012 überhaupt das erste mal auf andere Rollenspieler und das auf dem damals vollen Kooriban. Und das mitten in ein sich schon anbahnendes Wespennest:
Der erste Hype des "alles ist toll, alles ist neu, Hauptsache viele Spieler" war schon vorbei. Die erste Unterschiede bei der Frage was man wie bespielen möchte traten auf. Das erste mal diskutierte man bereits hitzig über "Rampen-Lords", halbnackte Twi'lek-Darths und überhaupt Darths, die viel zu hoch frequentiert dort herumgeisterten. Ich hatte die damaligen Foren gelesen - der Sithorden war als Projekt noch, genau wie der Jediorden es heute noch ist, mit einem eigenen Forum ausgestattet. Areus stand vor Malycus, gerade also der Leiter des Sithordens und ironischerweise die Person mit der ich noch heute Abend nach Jahren mal wieder im Discord sprach, und fragte wen er da vor sich hat. Und ich haderte. Spiele ich jetzt wirklich einen Darth, wo das Thema so kritisch ist, wo so viele Spieler einen Darth glauben darstellen zu müssen, verdreht man die Augen wenn ich Malycus mit "Darth" vorstelle, nimmt man den Charakter ernst, oder lasse ich das und reduziere ich den Charakter auf einen Lord.
Wie allgemein bekannt ist habe ich das nicht. Und heute würde ich so arrogant, wie einige Leute glauben, das ich es sei, von mir behaupten, dass ich einen der wenigen 2, 3 ernstzunehmenden Darth-SC bespielte die das deutschsprachige SWTOR-RP bis jetzt gesehen hat und je sehen wird. So. In euer Gesicht ![]()
Konsequenz war mir immer wichtig und ist es nachwievor.
Sei es dabei nur kurz nach dem Release die Leitung des Sithordens zu übernehmen und dort kompromisslos immersives RP, mit allen Regeln und Anforderungen hochzuhalten, auch wenn das bedeutet hin und wieder der Buhmann zu sein, oder sei es bei den unzählichen Stunden an Gesprächen die ich mit Spielern im TS oder Skype oder Discord verbrachte um Fragen zu beantworten, Charakterkonzepte zu bearbeiten, Streits in Gilden und Projekten zu schlichten, "Community-TS-Meetings" zu organisieren und zu moderieren, auch hier einige Zeit als Community-Admin tätig zu sein, oder oder oder.
Mitunter habe ich nach der Arbeit ohne RP rein im Hintergrund 2, 3 oder gar 4 Stunden nur OOC-Orga-Arbeit geleistet.
Entgegen so mancher anderer habe ich dabei nie die große Lüge begonnen, dass ich meine Zeit "für die Community opfere". Nein. Jeder der soviel Zeit investiert tut das vor allem für sich selbst, weil er daran Spaß hat, weil er dabei das beste für sich herausholen möchte. Wenn ich Rat gab, wenn ich einen der vielen Guides zum Sith-RP schrieb und veröffentlichte, dann habe ich das nicht getan, weil ich damit einen Frohendienst an der Community leisten wollte, sondern weil ich hoffte, dass ich dadurch weiterhin gutes, tiefgehendes, immersives RP gewährleisten kann von dem gerade ich und die Menschen, die mir wirklich nahe stehen, etwas haben. Jeder der so etwas tut hat genau das als Antrieb. Und wer etwas anderes behauptet ist ein Lügner
Ja, ich habe mich gerne mal aufgeopfert, so erinnere ich mich an ein Streitschlichtungsgespräch im Skype, das ich vom Handy aus während eines Urlaubs angetrunken um 2 Uhr Nachts in einem Hotelzimmer führte. Diese Dinge wurden und werden immer dann den Menschen zuteil, die mir auf die eine oder andere Weise etwas bedeuteten, mit denen ich Spaß hatte.
In all den Jahren habe ich genau einmal im Jahr 2012 für 6 Wochen Pause von SWTOR gemacht. Nicht mehr, nicht weniger.
Keine Sekunde der letzten 7 Jahre bereue ich. Und doch wird dies nun enden.
Die Zeit von SWTOR ist ebenso vorbei wie meine.
Die Zeit des "großen Sith-RPs" hier in SWTOR ist vorbei.
Da mag nun der ein oder andere zucken. Groß geplantes, immersives, Rollenspiel findet sich hier noch in wenigen Nieschen. Das imperiale Sith-RP gehört nicht mehr wirklich dazu.
Das ist einer der Knackpunkte warum ich hier heute schreibe. Nein, ich möchte mit keinem Finger auf jemanden zeigen. Wie sagt man so schön? "Es liegt nicht an dir. Es liegt an mir."
Meine Vorstellung von immersivem Sith-RP ist nicht mehr bespielbar. Die Art des RPs, das ich gerne geleitet habe, die Plots und Events, die ich gerne ersonnen habe, können nicht mehr ersonnen und bespielt werden.
Die Spielerzahlen sinken. Die Zeit die Spieler hier in RP investieren sinkt.
Wo wir einst bis um 3 Uhr Nachts am Wochenende in absolut tiefgreifendem Charakterrollenspiel feststeckten, vor dem Bildschirm gezittert haben, wo ich als Leiter mit dem Charakter Malycus ein Grinsen als Spieler vor dem Bildschirm hatte, da ich förmlich spüren konnte wie mein Gegenüber hadert, fiebert, sich im Charakterspiel verliert, sitzt man heute schon um 20 Uhr und überlegt ob man nicht lieber Netflix anmacht.
Die Zeit dieser Art von tiefgreifendem RP ist auf die Weise gegangen wie die jugendliche Begeisterung für LARP geht wenn man plötzlich feststellt, dass man mittlerweile arbeitet und dafür in der Form schlicht keine Zeit mehr hat.
Und so werden alte Mitspieler ferner wie die alten "Hobbyfreunde", die man jedes Wochenende noch zusammen bei der Tischrunde oder dem Live-Rollenspiel sah. Andere Dinge nehmen Platz ein. Zurück bleiben Relikte, die den Absprung schlicht nicht schaffen und selbst Jahre später noch auf Geburtstagspartys von vergangenem RP, von "goldenen Zeiten", schwärmen als wären sie geistig in der Romantisierung der Vergangenheit stecken geblieben.
So ein Relikt möchte ich nicht sein, so ein Relikt kann ich nicht sein.
Schon heute laufe ich den alten konsequenten RP-Vorstellungen hinterher und bin nicht zufrieden, da diese Art des RPs hier nicht mehr zu halten ist.
Schon heute gehe ich mitunter in den Frust und in den Schmerz gleich einem Sportler, der nicht bemerkt, dass es nicht weiter geht, bemerke, dass ich der alte zottelige Spielleiter werde, der auf den nächsten Rollenspieltermin drängt, begeistert Dinge plant die ihm irrigerweise die Welt bedeuten mögen während die anderen Spieler am Tisch mittlerweile ganz andere Dinge im Kopf haben, es ihnen gar nichts ausmacht wenn man sich erst 6 Monate später zum nächsten Termin trifft, da ein gemütliches Wochenende auf der Veranda auch mal schöner ist als wieder mit den ollen Würfeln am Tisch zu sitzen.
Die Zeit hier war schön.
Es war schön den Sithorden geleitet zu haben.
Es war schön hier einige Zeit Administrator gewesen zu sein.
Es war schön diese alte Gilde geleitet zu haben.
Und doch endet es, wie alles irgendwann enden muss.
Konsequenz möchte ich jedoch auch im Abgang. Nein, ich werde niemals einer dieser Altspieler, die immer wieder aufhören, dann Monate oder Jahre später wieder auftauchen, von der schönen alten Zeit erzählen, nur um dann ein paar Monate später wieder zu verschwinden. Zu euch gibt es eine Serie: The Walking Dead...ihr seid die Streuner ![]()
Nein. Ich möchte konsequent abtreten. Meine Charaktere werden im Laufe der nächsten Wochen aus dem Spiel genommen - unwiderbringlich und im RP logisch erklärt und bespielt.
Diese Entscheidung ist mir absolut nicht leicht gefallen. Lange habe ich damit gehadert. Die mir am nächsten stehende Person weiß das. Lange wollte ich nicht wahrhaben, dass meine Art des RPs und der Spielleitung gestorben ist, während Menschen weiterzogen. Es brauchte einige Zeit um das einzusehen. Geholfen haben da andere "Hobbys" im realen Leben, die auch bei mir mehr Zeit einfordern, mitunter auch unter der Woche, so das ich meinen eigenen Ansprüchen am Rollenspiel ohnehin selbst nicht mehr nahe kommen kann. Und auch das frustet mich.
Ich danke euch allen für sieben schöne Jahre. Ihr wisst wer gemeint ist.
Ja, auch die von euch, die mir mitunter hart auf den Sack gegangen sind und deren hinterfotziges Geaffe, blödes Offplay-Intrigieren und mit Dreck schmeissen euch irgendwann selbst erwischt. Ihr wisst selbst, dass ihr, im Vergleich zu mir (da ist er wieder, der arrogante Bastard
) in Punkto Plots, Events und Projektleitung nie etwas auf die Kette bekommen habt
Und ihr wisst das selbst wenn ihr ehrlich zu euch seid, was mir nach all den Jahren eine Genugtuung für all die persönlichen Anfeindungen ist.
Die Menschen, die mir durch das Spiel nahe gekommen sind würde ich auch gerne über das Spiel hinaus nahe wissen. Wir wissen aber alle wie das mit solchen Bekanntschaften ist. Manchmal halten sie durch, selbst wenn alle gemeinsamen Hobbys zusammenbrechen. Manchmal stellt man fest, das andere Menschen, mit denen man dann nun weiterhin noch gemeinsame Hobbys teilt, einem doch näher sind, oder das man mit denen, die gerade die gemeinsame Freizeitgestaltung verließen, überhaupt nichts mehr zu bereden, ihnen nichts mehr zu sagen hat, da das einzige große gemeinsame Thema nicht mehr existiert. Wir werden sehen.
Spätestens am 06.09. werden meine Charaktere herausgespielt sein. Lieber früher als spät.
Mein Abo ist bereits beendet. Dieses Posting ist damit mein Abschied von dieser Community ehe meine Alter-Egos Ingame nach und nach vergehen bis nichts mehr von mir bleibt.
Macht es gut!
Und jetzt noch ein stereotyper Fadeout-Song wie in einem schlechten Film: