Du wirst mich steinigen und ich bin wieder der typisch engstirnige Miesepeter, aber soll das:
Anwesen von Haus Theress
nahe Kaas City, Dromund Kaas
abends
Wenn man den Zustand völliger geistiger Erschöpfung neu erfinden müsste, dann war sich Anechour Theress sicher, hatte er dies soeben getan. Sein Kopf dröhnte wie nach einem fünf Tage lang andauernden üblen Besäufnis mit teuersten alkoholischen Derivaten, die er überreichlich genossen hatte, dazu noch ein leckerer Cocktail an verschiedenen bewusstseinserweiternden Drogen, deren Abklingen nun genau mit dem entstandenen Kater zusammen gekommen war. Dazu noch eine auch körperliche Müdigkeit wie nach ebenfalls fünf Nächten mit ausgesprochen anspruchsvollen Frauen auf seinem Bett, und es erreichte ansatzweise das Gefühl, mit dem er sich gerade in das elterliche Anwesen zurück schlich und hoffte, dass ihm weder seine Mutter noch deren Ansprüche auf dem Weg ins Bett begegnen würden. Weit gefehlt.
"Du musst endlich dafür sorgen, dass sie damit aufhört!" Mit doppelter Lautstärke und ebensolcher Frustration empfing ihn Lord Gahaar bereits an der Schwelle zum Salon des Anwesens, an dem er sich vorbei mogeln wollte. Das Echo ihrer Worte hinterließ einen dermaßen heftigen Trommelwirbel an Schmerz in seinem Kopf, dass sich der Reinblüter sehr beherrschen musste, um nicht sichtbar zusammen zu zucken.
"Was ist denn eigentlich los?" Es war klar, um einen Anschiss würde er jetzt nicht herum kommen, aber er konnte zumindest versuchen, ihn irgendwie abzukürzen. Sein nur wenige Schritte entferntes Bett ließ einen verführerischen Sirenengesang hören.
"Diese .. Person!" Sein verwirrter Gesichtsausdruck schien Gahaar nur noch mehr auf die Spitze ihrer Wut zu treiben. "Diese Person, die Du zu Deinem Schutz angeheuert hast!" Anechour blinzelte und musste sich sehr bemühen, seine Gedanken in der Gegenwart zu behalten. Person? Schutz? Wovon ..ah, natürlich. Sith Kernsa, die Dame mit dem Hang zu interessanter Bekleidung. Auch ihr Name zirkelte im dumpf dröhnenden Schädel des Reinblüters herum und hinterließ grellrote Echos an den Rändern seines Bewusstseins.
"Und was hat Sith Kernsa getan?" führte er die Befragung gleich zum Punkt. Gahaar, die von ihrem Jüngsten zumindest irgendwelche Ausflüchte erwartet zu haben schien, schnappte nach Luft, aber lange ließ sie ihn nicht warten.
"Sie ist nahezu unbekleidet! Das bisschen Stoff, das sich über ihren Körper spannt, kann man wohl kaum als Kleidungsstücke bezeichnen. Der ganze Haushalt läuft aus dem Ruder, weil die männlichen Sklaven dauernd versuchen, in ihre Nähe zu gelangen, damit sie sie ungestört begaffen können. Hat sie denn gar kein Schamgefühl? Wie kannst Du Dir nur so eine Leibwächterin suchen? Das hier ist doch keine Huttenkaschemme auf Nar Shaddaa!"
Gelbliche Blitze erschienen hinter den Augen des Reinblüters, als der Zornessturm seiner Mutter nun doch ungehindert losbrach. Natürlich. Dass seine neue Gefolgsfrau sich recht gerne etwas extravagant kleidete, war ihm auch schon aufgefallen. Nicht, dass er einen solchen Anblick nicht zu schätzen wusste, schon gar nicht, wenn die entsprechende Frau sich relativ häufig in seiner Nähe aufhielt und zudem eine gute Figur hatte. Aber musste man so etwas ausgerechnet jetzt ausdiskutieren? Seine Zunge hatte merkliche Mühe, die entsprechenden Worte auszuformulieren. Selbst die Muskulatur in seinem Mund wehrte sich gegen die Aufgabe, sinnvolle Worte zu produzieren.
"Ich werde mit ihr sprechen, dass sie sich künftig etwas züchtiger bedeckt. Ist das jetzt alles?"
Abermals schnappte Gahaar nach Luft, dann richtete sich der zornglühende Blick der Matrone auf ihren Sohn und schien ihn geradewegs zu durchbohren.
"Was ist überhaupt mit Dir los? Du siehst aus wie etwas, das der Bantha nichtmal ausgespuckt liegen lassen würde! Warst Du wieder feiern? Auf Dromund Kaas?! Hast Du schon einmal daran gedacht, wieviel Schaden Du mit einem solchen Auftreten für die Familie anrichten kannst? Dir ist unser Ruf wohl gar nicht wichtig!"
Anechour zuckte nun doch, schwankte für einen Moment und griff nach dem bereitwillig dargebrachten Strohhalm, den sie ihm unwissenderweise gerade vor die Füße geworfen hatte. Angriff war bei Gahaar Theress noch immer die beste Verteidigung.
"Ich war nur einen trinken. Es gibt schließlich was zu feiern," sagte er und setzte unter heftigem inneren Schmerzsturm in der Wangenmuskulatur ein breites Lächeln auf. Die gerunzelte Stirn seiner Mutter sprach Bände und verleitete ihn zu einer schnelleren Formulierung der Erklärung.
"Lord Vrynasha hat in die Verlobung eingewilligt und scheint zudem durchaus daran interessiert, mit mir Nachwuchs zu produz.." Er kam gar nicht dazu, den Satz zu Ende zu sprechen, denn nun stieß seine Mutter eine Art Freudenschrei aus, zog ihn im Überschwang ihrer auch zu ihm schwappenden Erleichterung in die Arme, drückte ihn heftig an ihre knochige Brust und verkündete: "Endlich! Ich dachte schon, das würde sich niemals mehr ereignen. Das muss ich sogleich Deinem Vater erzählen!" Schon fegte sie in den Salon herein, während der Reinblüter schwankend im Gang stehen blieb, unendlich froh darüber, dass der Wirbelsturm zunächst weiter gezogen war. Dann kippte er einfach der Länge nach um und blieb wie ein nasser Sack auf dem blank polierten Boden liegen.
Wenigstens schmerzte nun auch sein Kopf nicht mehr.
ernsthaft Sith darstellen oder ist das bewusst ironisch geschrieben?
Das ist jetzt keine sarkastische Frage, um das zu betonen, sondern ganz ernst gemeint.