[Ich hoffe, das paßt hier so rein - hab lang überlegt, wo ich es hinpacken soll, und wie aufgezogen. Dann dacht ich mir, warum nicht gleich als Mitmach-Thread, bei dem auch andere ihren (IC) Senf dazugeben können?
Gedacht hätte ich mir das Ganze als Reihe von Diskussionen zwischen Charakteren - über (nachträglich veröffentlichte) private Nachrichten, Annotationen zu Werken in den Archiven oder eben Gruppendiskussionen über das Holonet.
Entsprechend ist jeder dazu eingeladen, eigene Antworten zu posten oder auch komplett andere Themen zur Diskussion zu stellen.]
Diskussionen zu den kataklystischen Lehren
Auszug aus dem privaten Schriftverkehr zweier Meister, veröffentlicht mit ausdrücklicher Erlaubsnis des Verfassers in den Jedi-Archiven. Entsprechend aufrufbar durch andere Jedi.
Die Nachrichten beziehen sich auf folgenden Text: Die kataklystischen Lehren

Von: Meister Meloay
Betreff: Re: Die Kataklystischen Lehren

Mein Freund,
Es schmerzt mich, solche Worte zu lesen, zeigen sie doch die tatsächlichen Verfehlungen auf, die wir als Orden zu verantworten haben.
Was ich dort lese - vom ursprünglichen Verfasser ebenso wie dem Kommentator - fußt auf Unverständnis und daraus resultierender Frustration. In beiden Fällen müssen wir uns fragen: Was haben wir als Orden falsch gemacht, daß wir es nicht geschafft haben, das nötige Verständnis zu wecken?
Verlieren wir uns zu sehr in Dogma und Doktrin, im fest definierten 'Was', ohne ausreichend auf das 'Warum' einzugehen? Erwarten wir zu viel Akzeptanz vorgegebener Leitsätze, ohne unseren Schülern den Sinn dahinter zu vermitteln?
Du kennst meine Einstellung bezüglich der Aufnahme Erwachsener in den Orden. Niemandem sollte der Zugang verwehrt bleiben, doch bedarf es ganz besonderer Zuwendung, um einen solchen Schüler auf seinen späteren Lebensweg vorzubereiten.
Den Geist eines Erwachsenen mit den Lehren des Ordens zu konfrontieren ist, als würde man versuchen, Tee in eine bereits befüllte Tasse zu gießen. Ein Teil mag sich vielleicht mit der bestehenden Flüssigkeit vermengen, das Meiste davon aber wird überlaufen und verloren gehen.
Elif Tarbors Tasse war bis zum Rand gefüllt mit Erfahrungen, mit Leid, mit Armut, mit Gewalt. Seine Zeit in den Minen prägte ihn ebenso wie wohl auch seine wohlgemeinten Versuche, die Welt von Nar Shaddaa aus zu einem besseren Ort zu machen. Wir alle kennen diesen inneren Drang - und wir alle wissen, wie gefährlich die Ungeduld ist, welche daraus resultieren kann.
Ich sehe den Fehler hier nicht darin, daß ein Mann mit 'gefestigten Werten' in den Orden aufgenommen wurde, sondern daß offenbar niemand versucht hat, eben jene Werte aufzubrechen, seine vorgefaßten Meinungen zu revidieren - seine Tasse zu leeren, um Platz für neuen Tee zu schaffen.
Die zweite Verfehlung sehe ich darin, ihn in diesem Schwebenzustand belassen zu haben, nachdem niemand ihn als Padawan aufnehmen wollte. Wie du weißt, bin ich stets darum bemüht, den richtigen Deckel für jedes Töpfchen zu finden, keinen Schüler zurück zu lassen, nur weil wir kriegsbedingt auf die Galaxis verteilt sind.
Die Zeiten damals aber waren andere, wer das entsprechende Potenzial besaß, wem es vorherbestimmt war, der wurde von seinem Meister gefunden und zum Padawan genommen. Meine Arbeit war damals nicht vonnöten, und wer keinen Meister fand, dem wurde die Laienarbeit nahegelegt.
Hat niemand ihm dargelegt, was für ein ehrenvoller Weg das für ihn hätte sein können? Überleg nur, wie viel Gutes er unter der Führung eines Archivars hätte vollbringen können - ein derart wacher und kritischer Geist.
Und wenn ich dann lese, daß sich am Ende doch noch jemand seiner annahm - und ihn in den folgenden 27 Jahren (!) offenbar nicht für bereit erachtete, ihn zu den Prüfungen antreten zu lassen ... Kaj'a, wie können wir noch von uns behaupten, den Bedürfnissen dieses Mannes gerecht geworden zu sein?
Wie können wir behaupten, den Werten und Prinzipien unseres Ordens treu geblieben zu sein, wenn wir eben jenen Mann zum Ritter ernennen - nicht weil er das nötige Verständnis zeigt, nicht weil er unsere Werte verinnerlicht hat - sondern in der Hoffnung, ihn damit zum Schweigen zu bringen?
Elif Tarbor brauchte keinen Titel, keine Versetzung, keine Plattform. Unsere Aufgabe wäre es gewesen, ihm mit Geduld und Beharrlichkeit zu begegnen, seine Kritik nicht tot zu schweigen, sondern ihm die Irrungen seiner Schlußfolgerungen aufzuzeigen.
Wie konnte es passieren, daß wir zu Zeiten des Friedens, als wir die Sith für geschlagen hielten und uns ganz auf den Wiederaufbau des Ordens konzentrieren konnten, diesen Mann derart enttäuscht haben?
Ist dir bekannt, ob Adanulek die Zakuul Ära überlebt hat? Es ist unverkennbar, daß auch er das Herz am rechten Fleck hat, aber in seinen Ansichten ebenso von Frustration und den Schrecken der äußerem Umstände geprägt ist.
Wir wissen beide, wie schwer es wurde, Geduld und Harmonie nach dem Angriff auf Coruscant zu lehren. Wieviel Tatendrang damals auch in uns schlummerte, uns auf die praktischen Anwendungsgebiete zu konzentrieren, um auf einen Vorfall wie jenen vorbereitet zu sein, vielmehr gar in die Offensive wechseln zu können.
Nun stell dir vor, wie es für die Jünglinge gewesen sein muß, die Tython miterlebt haben? Kann man es ihnen verdenken, wenn sie eine Demystifizierung des Ordens fordern, eine Sprengung der Ketten?
Und es wird schlimmer, Kaj'a. Unsere Reihen sind derart ausgedünnt, daß wir jene zur Ausbildung heranziehen, die selbst nie die Philosophien des Ordens in ihrer Gänze verstanden. Wir bilden vermehrt Schüler wie Elif Tarbor aus - oder schlimmer noch, Jünglinge, deren Fokus auf Machtanwendung und Schwertkampf liegen, die ungestüm und ohne Hinterfragen in den Krieg ziehen.
Melde dich bezüglich Adanulek bei mir - er mag nur einer unter vielen sein, doch so er noch lebt, sind wir es ihm schuldig, die Verfehlungen unseres Lehrsystems zu revidieren und ihn zurück auf den Pfad des Ordens zu bringen.
- Meloay

Von: Meister Kaj'a Vennar
Betreff: Re: Die Kataklystischen Lehren

Ach Meloay,
Ich hätte mir denken können, daß dich das Schicksal der beiden Jedi mehr tangiert als deren Philosophien. So es dich beruhigt, werde ich mich bezüglich Jedi Adanulek erkundigen.
Dennoch würde mich interessieren, wie du über den Text an sich denkst. Glaube nicht, daß mir nicht aufgefallen wäre, wie oft du selbst die Anweisungen des Rates 'uminterpretierst'. Du brauchst es nicht zu leugnen, mein Freund, wir kennen uns wohl einfach zu lange, um noch Geheimnisse voreinander zu haben.
Umso gespannter blicke ich deiner Antwort entgegen.
- Kaj'a
To be continued ...
[Anmerkung: Kaj'a ist reiner NPC, Meloay ist mein Knight]