26 NVC – Trainingstag

"Ah Ritter Erauqs. Ihr seid vor ein paar Tagen von Umbara zurückgekehrt, wie ich der Akte entnehme, richtig?", formuliert sie zwar eine Frage, lässt allerdings keine Zweifel daran aufkommen, dass die Antwort unweigerlich "Ja" lauten sollte. Der Ritter nickt und summt zustimmend. Für einen Augenblick trifft ihn der sehr analytische, sehr durchbohrende und extrem unangenehme Blick der Jedi-Heilerin Schrägstrich Ärztin Schrägstrich sadistischer Rancor. Sie nickt abschließend und langsam, den Eindruck erweckend, dass Xine gerne noch seine Anliegen ausdrücken dürfte. "Ich finde es gut, dass ihr weiterhin regelmäßige Besuche pflegt, Ritterin Glane braucht diese Unterstützung. Aber es ist auch gut euch immer Mal wieder hier zu sehen", deutet sie verbal - vollkommen unterschwellig - auf das blinde Auge und die zahlreichen mentalen Zerwürfnisse. "Ich nehme an die Alpträume nehmen in ihrer Frequenz ab?", fragt sie erneut rhetorisch, wohl wissend, dass dem nicht so ist. "Nun denn", schließt sie das Gespräch ab. "Ich habe mir die Ergebnisse angeschaut. Nichts kritisches"


"Nichts Kritisches sagt sie", murmelt der Jedi mit zusammengezogenen Augenbrauen und drückt die Langhantel vertikal nach oben, dabei die Luft langsam aus dem Körper lassend. Die Muskeln, angespannt durch die Anstrengung, werden durch Adern gezeichnet, die ihren Weg über den Arm Bahnen. Langsam senkt der Ritter die Hantel wieder und stöhnt auf. "Wessen...Diag...", stammelt der Jedi, wieder die Handel nach oben führend. Angestrengter als vorher versucht er sowohl seinen Satz als auch den Trainingssatz zu beenden. Ruckartig, streckt er die Arme in die Höhe. "...nose sie wohl meint". Die Hantel wird wieder in die Halterung geführt und Xine atmet durch, tief durch und wischt sich den perligen Schweiß von der Stirn. Er setzt sich auf und fährt mit dem Handtuch über den nackten Oberkörper, dessen Narben durch die Feuchtigkeit wie auf einer Bühne glänzen. Ein langer Blick von links nach rechts verrät, dass in der Halle zur frühen Stunde wenig Jedi unterwegs sind. Xine seufzt sind die wenigen Jedi wohl fast der ganze Teil, der überhaupt auf Tython vorhanden ist. Es ist seltsam einen Ort zu sehen an dem zuvor viel mehr Gleichgesinnte lebten und nun diese Leere vorzufinden. Nur flüchtig hat er Boa und Skye gesehen. "Skye", schiebt er mit traurigem Unterton über die Lippen.


Skye bleibt stehen, auf der Brücke südlich des Geländes. Jener Brücke nach Kaleth. Skye bleibt stehen, also bleibt Xine stehen, mustert seine ehemalige Schülerin, die in einer Kombination aus Rüstung und Robe vor ihm steht. Am liebsten würde er sagen wollen, dass die Rüstung ihr steht, dass sie dadurch reifer wirkt, erwachsender. Aber dies, wie vieles weitere, bleibt nur im Kopf des Ritters. "Kennst du Boa schon lange?", fragt sie. Eine Frage die so simpel wie überraschend ist. Und er verwechselt die Jahreszahlen. Nennt 15 Jahre, erinnert sich allerdings nur an die Zeit in der er von Boa getrennt war. Ein kurzes Raunen fährt durch den Körper, weil er überlegen muss seit wann er Boa kennt, nicht versteht wie er das vergessen kann und überrascht ist warum sich die Antwort "Quasi schon immer" so seltsam anfühlt. Nach Jahrelanger Einsamkeit, nach fehlenden Verbindungen zur Vergangenheit ist es nun extrem seltsam jemanden da zu haben, der all diese alten Geschichten und Erinnerungen teilt. Und Skye bohrt nach und sie sprechen darüber. Über Boa, die Jagd auf die Jedi und Xines Beziehung darin. Boa hätte sich verändert und er selbst wisse nicht wie weit. Zweifelsohne liegt dies auch eher daran, dass der Mensch gerade selbst in einer Wandlung steckt, einer die so verwirrend wie offenbarend zugleich ist. Doch wie er soll er das seiner ehemaligen Schülerin sagen? Allgemein sprachen sie nun sehr selten miteinander, was vor allem in der Vergangenheit an Xine lag und es bis heute auch noch tut. Er geht ihr aus dem Weg, mehr unterbewusst als absichtlich. Ihm fehlen die Worte, um auszudrücken, dass seit der Gefangenschaft etwas dunkles in ihm nistet. Etwas, dass zwar in keinster Weise seine moralischen Fähigkeiten behindert, aber ein neues Gefühl für die Sith zulässt, Mitleid zulässt. In Mangel an alternativen sagt er einfach was er denkt „Ich verändere mich auch“. Mehr nicht, keine weiteren Erklärungen, keine Vorbereitungen. Xine hört gerade nicht mal wirklich zu während er mit Skye auf eben jener Brücke steht und den platten See beobachtet. Er weiß nicht was er sagen soll, was er zu der Frau, zu sich selbst oder jemand anderen sagen soll.


„Keine Ahnung was ich denken soll“, quasselt der Jedi mit sich selbst und hängt dabei kopfüber von einem Gerüst. Die Haare sind hochgesteckt und sitzen – fast wie getackert – am Rest der Haare ohne sich nur einen Millimeter zu bewegen. Xine verschränkt die Arme vor der Brust und hebt den Körper nach oben, kräftig aus der Körpermitte heraus bis er nicht mehr diesen negativen Winkel hat, sondern auf der anderen Seite über das Gerüst gucken kann. Er verharrt, angestrengt und beobachtet ein paar Padawan und Ritter, die die Gewichte ihrer Geräte mit der Macht ab- und auflegen, statt ihren eigenen Körper zu benutzen. Damals, irgendwann als er noch ein Padawan war, haben Boa und er sich darauf geeinigt im Trainingsraum nie die Macht zu benutzen, um körperliche arbeiten zu erleichtern. Vor kurzem kam die Erinnerung daran wieder und mittlerweile hält er sich wieder daran. Er lässt die Muskeln sich lösen, senkt den Körper kontrolliert wieder in die hängende Überkopfposition und atmet aus. Aus einem Grund, den er nicht greifen kann, muss er an Joana – Skyes ehemaliger Padawan – denken. Sie war gefallen und sicher hatte Skye sich Vorwürfe gemacht. Nur ob die Vorwürfe berechtigt waren und sind, kann Xine nicht wirklich einschätzen. Es gibt so Jedi wie diesen...er reibt sich kurz die Schläfe, kann sich an den Namen aber nicht erinnern, lediglich an den Ball, den er in der Hand immer zu hält und mit dem er spielt. Aber eben dieser Jedi prophezeit die aufkommenden Konflikte, spricht davon, dass man die Schüler so ausbilden müsse, dass sie bereit für den Kampf waren, wettert gegen das Niman. Aus Xines Perspektive geht es den Jedi noch ziemlich gut, wenn sie sich eher darüber Gedanken machen mit welcher Form sie den Gegner in zwei Teile schneiden als darüber nachzudenken, ob sie den Gegner überhaupt überleben. Das Rothaar schüttelt den Kopf und schließt die Augen. Wahrlich kann der Mensch nicht behaupten mit dem Ritter einer Meinung zu sein, sogar ganz im Gegenteil. Vieles von dem Gesagten

widerstrebt ihm. Der Mensch wischt sich den Schweiß von der Stirn, welcher sich gerade den Weg durch die Haare auf den Boden bahnen will. „Mit einer Aussage hat dieser Ritter allerdings Recht“, gibt Xine unumwunden zu und löst dabei die Beine vom Gerüst, um mit einem kleinen Salto und den Füßen auf dem Boden festen Stand zu finden. Die Konflikte nehmen tatsächlich zu.


Sing grinst, Xine weiß nicht wieso. Eigentlich braucht Sing auch der Erfahrung nach keinen Grund, um zu grinsen. Diesmal liegt es aber eher an dem Ritter, der mit dem Ball spielt und wohl eine Verletzung am Bein hat. Der Padawan, der ihn so nach Skye ausgefragt hat, steht nun auch neben ihm. Die Stimmung wirkt so heiter und surreal. Das Wetter ist gut, der Platz zwar dennoch leer gefegt, weil so viele Jedi immer noch versteckt sind oder auskurieren. Xine verschränkt die Arme vor der Brust und schweigt. Er hört lediglich zu, denn die Heiterkeit, die Überschwänglichkeit passt gerade einfach nicht zu seiner eigenen Verfassung. Während die drei Jedi wie ein buntes Feuerwerk auf einer grünen Wiese sind, fühlt sich Xine wie ein feuchter Tropfen auf einem kalten Stein. Der Jedi kehrt in sich, blendet das Geschehen um ihn aus. Im Inneren fühlt es sich so an, als ob es Zeit wäre erneut einen Padawan auszubilden. Der Blick fällt unweigerlich auf Sing, denn so Recht weiß er noch nicht mit ihm umzugehen. Eine sehr harmonierenden Frohnatur und so sehr mit den Pflanzen verbunden, dass er ihn eigentlich Kari 2.0 nennen will. Momentan kann er sich allerdings nicht Mal aufraffen überhaupt den Mund aufzumachen. Das Gespräch und der ganze Tag zieht an ihm vorbei. Er fühlt sich müde und alt.


Xine lässt die Hüllen fallen, faltet die Tunika zusammen und legt sie bei Seite. Auf nackten Sohlen steigt er unter den Duschkopf und vergräbt das Gesicht in den Händen. Seufzend, atmet er durch, reibt sich die Augen und lehnt den Kopf gegen die Wand. Auf seinem Rücken erkennt man neben den typischen Muskeln auch die zahlreichen Narben, Wunden und Spüren der Folter. Mit der Zunge fährt er durch den Mund und findet diese Lücke bei den hinteren Zähnen. Dort wo ein Zahn war, bis ihn jemand mit brutaler Wucht einfach ausgeschlagen hat. Es ist wieder einer dieser Momente, wenn normale Menschen duschen gehen, Xine aber einige Minuten unter einer trockenen Dusche steht und in Gedanken abdriftet. Fast lethargisch aktiviert er die Dusche und die warmen Tropfen fallen auf das trockene, lange Haar, Bahnen sich ihren Weg über den Kopf den Hals entlang zur Brust und von dort weiter hinab. Xine seufzt, laut. So laut, dass jemand anderes, den er gar nicht bemerkt hat, nur kurz zu ihm rüber schaut. Dem Rothaar ist der Beobachter egal, denn nur das Gefühl - wie Wasser den Körper hinunter läuft - zählt gerade. In letzter Zeit fühlt er sich ausgelaugt und alt, gezwungen weise und kontrolliert. Konkret sogar erst seit die Chelnok ihm die Tracht Prügel seines Lebens verpasst haben und seit ein Lichtschwert ihm zu allem Überfluss das rechte Auge genommen hat. Ein Thema, welches er versucht zu vermeiden, zu ignorieren, aber nicht abschütteln kann. Es ist schlicht nicht möglich dauerhaft die Machtsicht parallel aufrechtzuerhalten, weshalb er immer wieder die Erfahrung macht, die jemand eben macht, wenn ihm ein Auge fehlt. Zudem sein Ausweg mit der Machtsicht nur den Zweck hat sich nicht mit seinem Handicap auseinanderzusetzen. Xine schnauft und runzelt die Stirn, denn so sehr er darüber nachdenkt, desto bescheuerter fühlt es sich an. Auf Tatooine hat er sich diese Schwächen eingestanden und fällt jetzt zurück in solche falschen Muster. Der Jedi ballt die rechte Hand zur Faust und schlägt gegen die Wand. Der Schlag ist voller Kraft und Elan. Sein Körper ist nicht der Körper eines alten, toten Mannes.


"Zeit aufzuhören, sich das einzureden", murmelt er genervt.