
„Siehst du das?“, hört es Cos durch den Helmkomm. Er blickt durch den Visor, zoomt die herannahenden Speeder näher heran, um mehr erkennen zu können. „Sieht nicht aus, wie eine Rebellenpatrouille“, gibt er kurz an Titus zurück. „Sind das Jedi?“ – „Positiv.“ Man kann Cos grinsen unter dem Helmkomm nicht sehen, doch Titus war sich sicher, dass er es tat, einfach, weil er das Gleiche dachte. „Scheiß auf die Rebellen, holen wir uns die Jedi und schnappen uns ihre Schwerter! Die bringen unserem Clan mehr Ruhm, als irgendwelche Bauernjungen mit Gewehren.“ Cos lacht: „Sollte ein Kinderspiel sein. Vor allem der Kleine.“ – „Für Clan Varad!“ rief der jüngere Titus mit stolz geschwellter Brust durch das Helmkomm – die vor Kampfeslust glühdenden Augen des 17-jährigen konnte der zwei Jahre ältere Cos freilich nicht sehen. Beide warteten sie keine weitere Sekunde und setzten zugleich zum gemeinsamen Angriff an…
Sie spürten beide, dass irgendwas nicht stimmen kann. Es lag mehr als eindeutig in der Macht. Loyalisten? Möglicherweise. Horus spannte seine Sinne in der Macht aus und spürte, dass Derone es ihm gleichtat. Um den möglichen Angreifern nicht den Eindruck zu erwecken, entdeckt worden zu sein, setzten sie ihre Fahrt auf den Speedern im selben Tempo fort. Beide waren als Kämpfer gut ausgebildet, sodass sie einem Überfall einer kleinen Gruppe von Loyalisten durchaus standhalten konnten. Hinzu kam, dass sie einen Weg und eine Uhrzeit gewählt hatten, bei der demnächst ohnehin eine Rebellenpatrouille auftauchen dürfte. Somit mussten sie – sollten es doch zu viele Gegner sein, nur Zeit gewinnen.
Plötzlich spürte der Padawan zwei weitere Individuen, er blickte um sich, doch die Zeit war zu kurz, um irgendwas erkennen zu können. Ganz im Gegenteil. Als er den Blick nach dem Bruchteil einer Sekunde wieder auf die Fahrbahn vor sich lenkte, sah er bereits ein Energienetz auf sich zuschießen, Derone rechts neben ihm wich aus, Horus nahm seine rechte Hand vom Lenker und schleuderte das Netz mit Hilfe der Macht in Richtung des Angreifers zurück. Einen Moment später erkannte er, dass es zwei Angreifer in einer violetten mandalorianischen Rüstung waren, die auf beide zustürmten und sie mit Blasterschüssen malträtierten. „Verdammt!“, fluchte der Mirialaner leise. Mit allem hätte er gerechnet, aber ganz bestimmt nicht, dass Mandalorianer auftauchen und sie angreifen würden. Weitere Gedanken konnte er sich darüber jedoch nicht machen, dafür musste er sich viel zu sehr auf den Kampf konzentrieren.
Der Angreifer nahm ihn so stark unter Beschuss, dass kaum Zeit war, gemeinsam mit Derone sich zu einer Kampfeinheit zusammenzuschließen. Vermutlich war genau das der Plan, beide Angreifer waren offenbar auf einen Zweikampf aus, es schien ihnen wichtig zu sein, dass jeder „seinen“ Jedi erledigte.
Da der Speeder Horus im Kampf deutlich einschränkte, sprang er im richtigen Moment mit einem Machtsprung vom Speeder auf einen nahegelegenen, höheren Felsvorsprung, sodass er für einen kurzen Moment mit dem mit Jetpack ausgestatteten Angreifer auf Augenhöhe lag und die Blasterschüsse direkt in der Waagerechten zu ihm zurückzuwerfen. Dieser Moment währte jedoch nur sehr kurz. Auch der violette Mando war durch das Jetpack ausgesprochen beweglich und konnte zudem recht gut zielen. Der Kampf zwischen ihm und Horus gestaltete sich für einen kurzen Moment wie eine Art heftiges Baseballspiel: Der Blaster flog in Horus Richtung, Horus warf ihn zurück. Um Derone zu unterstützen, achtete er jedoch bewusst darauf, manche Blasterschüsse auch in Richtung des anderen Angreifers, den er in der Macht spüren konnte, umzulenken.
Derone wiederum tat es ihm gleich. Auch er sprang vom Speeder und stellte sich auf einen heftigen Zweikampf zwischen dem anderen Angreifer ein. Horus wiederum konnte seinem Gegner zunächst gut standhalten. Dann startete dieser jedoch einen weiteren Frontalangriff mit seinem Jetpack und verpasste dem Mirialaner einen heftigen Tritt in den Bereich zwischen Bauch und Brust. Der Padawan landete hart und unsanft im Sand, während der Tritt dazu führte, dass er keine Luft mehr bekam.
Als sich Horus wieder aufraffte, hörte er einen Knall und sah, wie neben ihm im Felsen ein Projektil stecken blieb. Wenn du glaubst, es kann nicht schwieriger werden, dann wird es schwieriger, schoss es ihm durch den Kopf, während er einige der Projektile mit der Macht zurückschleuderte und den Schüssen auswich.
Gleichzeitig hatte der Padawan kaum die Möglichkeit, einen Gegenangriff zu starten, ja, er erkannte, dass sein Gegenüber nicht nur hinsichtlich der Waffenvielfalt, sondern auch hinsichtlich der Rüstung eindeutig überlegen war. Die einzige Chance, die er hatte, war Zeit zu gewinnen, bis die Patrouille, die sowieso bald routinemäßig hier durchfahren müsste, ihn und Derone unterstützen würden. Mit Hilfe von gezielten Machtangriffen versuchte der Mirialaner, Abstand zwischen sich und dem Mandalorianer zu gewinnen, doch gelang es diesem mit Hilfe seines Jetpacks den Machtangriffen mitunter schneller auszuweichen, als dass Horus sie hätte ausführen können. Zudem beeinträchtigte der Schmerz in Brust und Bauch die Beweglichkeit des Padawans ganz erheblich. So lange der Angreifer mit Projektilen auf Horus schoss, würde ihm das Lichtschwert wenig nutzen bringen. Doch kurz bevor er überhaupt darüber nachdenken konnte, holte der junge Mando seine zweite Waffe, den Blaster heraus, sodass er sich nun gegen Blaster – und Projektilgeschosse zur Wehr zu setzen hatte.
Beides gleichzeitig war dem Padawan kaum möglich. Ganz im Gegenteil. Entweder gelang es ihm, die Blaster zurückzuwerfen, oder er lenkte die Projektilgeschosse ab. Zudem musste der Mirialaner immer wieder darauf achten, wohin sich der Angreifer nun als nächstes bewegen würde. Der junge Mando hatte Horus endgültig im Griff, er wurde mehrfach von Projektilen getroffen, zumeist waren es nur Streifschüsse, doch der Schuss in die Hüfte ging dann doch deutlich tiefer hinein, da er nicht schnell genug sein konnte, diesem Projektil entsprechend auszuweichen.
Nebenan hörte Horus einen lauten Schrei von Derone, er blickte einen kurzen Moment nach rechts und sah, wie die Kleidung des jungen Jedi-Ritters Flammen schlug. Ok, das wars, schoss es ihm durch den Kopf. Der Padawan hatte jedoch nicht vor, eins mit der Macht zu werden und er war sich sicher, dass das auch nicht Derones Plan gewesen ist. Ganz egal, was mit Derone passieren mag, er würde weiter kämpfen, selbst wenn er sich dann gegen zwei Mandos behaupten müsste. Gleichzeitig war er jedoch sicher, dass Derone diesen Kampf bestehen würde. Er wusste aus gemeinsamen Trainings mit Derone (damals waren sie beide noch Padawane), dass aufgeben oder verlieren keine Option für ihn sein dürfte.
Dennoch: Jede Sekunde, die der Kampf länger dauerte, hoffte er, dass die Patrouillen endlich eintreffen würden. Der Angriff kam schließlich so überraschend und plötzlich, dass an das Absetzen eines Notrufes nicht ansatzweise zu denken war. Der Schmerz fraß sich in Windeseile in seine rechte Hüfte, Horus spürte, wie das Blut an seinem Hemd unter seiner Robe zu kleben begann. Er presste die Zähne zusammen, konzentrierte sich auf den Kampf. Mit reiner Verteidigung hatte der Mirialaner auch keine Chance, der Mando würde ihn platt machen. Also versuchte er, so gut es geht, den Schmerz zu ignorieren, setzte erneut zum Machtsprung an, der jedoch kaum so gut ausgeführt werden konnte, wie der Erste. Ganz im Gegenteil. Dennoch konnte der den Abstand zwischen sich und dem Mando verringern und mit dem Lichtschwert entsprechend gegen die Füße des Angreifers schlagen. Zwar traf er den Mando am Knöchel, leider gelang es ihm jedoch nicht, diesen zu durchtrennen, sondern streifte ihn lediglich mit dem Schwert.
Zum Glück des Mirialaners schien zumindest dieser Teil der Rüstung nicht aus Beskar zu sein, sodass der Mandalorianer mit seinem Jetpack durch den Treffer für einen Moment taumelte, was Horus die Möglichkeit gab, dem Angreifer mit der Macht die Pistole aus der Hand zu schlagen. Während der Padawan schließlich die Schüsse des Blasters mit dem Schwert in der einen Hand abwehrte, zog er die Pistole mit der Macht zu sich heran, um nun – sobald es ihm möglich war, mit der Projektilwaffe entsprechend zurückzuschießen.
Viel bewegen konnte sich der Padawan nun jedoch endgültig nicht mehr, da sein Machtsprung die Verletzung in der Hüfte vergrößert haben muss. Der Angreifer wiederum ging nach diesem kurzen Schockmoment erneut in die Offensive, Horus sah ein Messer aufblitzen.
Den Angriff konnte der Mando jedoch nicht ausführen, da in dem Moment, als er ihn ausführen wollte, eine Granate auf ihn zuflog, der er eilig ausweichen musste. Horus wiederum rollte sich so zur Seite weg, dass die Granate ihn weder Treffen, noch er durch die Explosion durch entsprechende Granatsplitter getroffen werden würde.
Unterstützung war da. Und das keinen Moment zu spät. Den sechs Rebellen, die auftauchten, gelang es dann schließlich recht schnell, gemeinsam mit den beiden Jedi die Mandalorianer in die Knie zu zwingen.
Als der Kampf vorbei war, spürte der Padawan, wie unendlich geschwächt er war. Sein gesamter Körper schmerzte. Er ging langsamen Schrittes zu Derone. Dieser hatte sichtbare Brandwunden und hielt seine Hand vor Schmerz in den Seiten. Vier Rebellen nahmen die beiden Angreifer schließlich fest und überlieferten sie in das Rebellengefängnis nach Parionas, zwei Rebellen der Patrouille nahmen die Jedi auf ihren Speedern mit auf die Krankenstation.
Während der Arzt ihn untersuchte, starrte er konsterniert an die Wand. Er war eindeutig zu schwach. Zwar wusste Horus, dass Mandalorianer für Jedi eine ernstzunehmende Gefahr darstellen würden, doch dass es sich so anfühlen würde und dass er so wenig auf die Kampfweise der Mandos vorbereitet ist, hätte der 16-jährige Mirialaner nicht gedacht…
Das Titelbild wurde von SayNey mit Heroforge erstellt.