21 NVC - Das Gesicht im Spiegel

Fades Licht schien durch das vergilbte Fenster, dabei die feinen Staubkörner in der Luft anstrahlend. Der Geruch von Schweiß, altem Öl und Metall lag in der Luft. Zurzeit war es ruhig. Theexl hatte die Werkstatt verlassen um einen seiner Lieferanten zu treffen. Xine oder besser gesagt "Noah" sollte in der Werkstatt bleiben und aufpassen, dass ja niemand ins Lager eintrat oder sonst irgendwie die Werkstatt unautorisiert betritt. Theexl war dabei so deutlich wie er unfreundlich war. Xine hatte einige Sekunden lang Probleme damit die Beschimpfungen von den Anweisungen zu unterscheiden, schlussendlich hatte er aber verstanden was Theexl von ihm wollte. Der junge Jedi hatte sich in die kleine Reparaturkammer zurückgezogen wo er die meiste Zeit über arbeitete und auch zu Bett ging.


An der Wand zum Fenster stand eine Werkbank auf der sorgfältig die verschiedenen Werkzeuge bereit lagen. Unweit davon entfernt stapelten sich die Droidenteile vor denen eine beschädigte Astromech-Hülle trohnte. Die Hängematte war gegenüber des Fensters, seitlich zum Eingang, zwischen den Wänden gespannt. An der Wand gegenüberliegen von der Tür befand sich ein halb zerbrochener Spiegel mit einem verschmutzen Spülbecken. Auf dem Stuhl daneben war der alte Staubmantel über die Lehne gezogen und das verbrauchte Oberteil sorgsam auf der zerrissenen, ledrigen Sitzfläche zusammen gelegt.


Xine nahm eine metallene Schüssel in die rauen Hände und legte sie in das Spülbecken. Vorsichtig holte er seine Feldflasche aus seinem Staubmantel und füllte das Wasser in die Schüssel. Eigentlich war es seine tägliche Ration an Wasser und so goss er nur wenig in die Schüssel hinein, damit mindestens eine Handfläche bedeckt wäre. Ruhig und sorgfältig verschloss der Jedi die Feldflasche wieder und legte sie zu dem Oberteil auf die Sitzfläche ehe er den Blick zu dem Spiegel wendete und sich darin betrachtete. Die kühlen Augen blickten in das verzerrte Spiegelbild, dass durch die fehlenden Teile grotesk und bizarr wirkte. Xine folgte durch den Spiegel seiner rechten Hand, die über die schlecht verheilten Narben fuhr. Obwohl noch einiges von der alten Form des Jedi zu erkennen war, prägten vor allem das fehlende Training und die Ermüdungserscheinungen der Haut das Spiegelbild des Körpers.


"Du hast abgenommen", entwich es Xine während er sich im Spiegel betrachtete und jede Faser seines Körpers begutachtete. Er hob den Blick und sah sich durch das Spiegelbild in die verschlafenen Augen. Zwei Finger legte er die linke Seite seines Kiefers und schob den Kopf nach rechts. Unbeirrt fokussierten die Augen ihre Kopie im Spiegel. Präzise und Penetrant musterte der Jedi die ehemaligen Einstiche von Splittern am Hals, er verengte die Augen.


"Du siehst müde aus", sprach er mit sich selbst, dabei sein eigenes Selbst akribisch untersuchend. Die Finger wanderten auf die rechte Kieferseite und der Kopf wurde nach links geschoben. Erneut fixierten die Augen die Gesichtshälfte, den Hals und musterten ihn wie ein Stück Fleisch. Der Jedi verengte die Augen als ob er nicht zufrieden war mit dem was er sah.


"Du hast dich gehen lassen", warf Xine seinem Spiegelbild vor und beendete die Beurteilung seines Äußeren. Die Finger lösten sich von dem Kiefer und fuhren als Hand durch die verklebt, verschwitzen Haare. Der Raum wurde von einem kratzenden Seufzer erfüllt und der Jedi stützte sich enttäuscht an dem Spülbecken ab, in die Schüssel mit Wasser blickend. Es fühlte sich seltsam an, sich so zu sehen, dachte sich Xine. Gestern erst hatte er eine Reisende getroffen, die sich maskierte und mit wilden aber klugen philosophischen Ansätzen um sich warf. Aus irgendeinem Grund hatte ihn das berührt, weit mehr als Yerana es bisher getan hatte. Xine konnte sich nicht genau erklären, warum gerade eine Fremde so einen Einfluss gehabt hatte. Die ganze Nacht hatte er bereits darüber nachgedacht und schob es nun zur Seite. Vermutlich erinnerte ihn das Bild der maskierten Fremden einfach zu sehr an ihn selbst. Xine wollte gerade dazu ansetzen seine Hände in das flache Wasser zu legen, da stoppte er und hört eine elektronisch verzerrte Stimme in seinem Hinterkopf hallen. Sie war prägnant und klar wahrzunehmen. So klar, dass sein ganzer Körper versteifte und lauschen musste.


"Nein...denn der Blick auf das Wasser spiegelt. Er spiegelt den Tod durch die Hitze und die Wesen, die man darüber sieht. Und die Frage nach Wasser, sie spiegel denjenigen, der die Antwort darauf gibt", belehrte das Echo im Inneren des Jedi. Xine erinnerte sich an die Worte der Fremden und spürte wie sehr sie in ihm herum schallten und wie laut das Echo war. Die Augen begannen das Wasser zu fokussieren und blickte in sein Gesicht, dass sich im Wasser spiegelte. Er lauschte, öffnete seinen Geist um die Worte nicht nur in seinem Körper sondern auch in seiner Seele schallen zu lassen.


"Ich habe in den Spiegel geblickt. Ich sehe eine Reisende. Ich sehe den Weg den ich gegangen bin und ich erkenne, welche Wege mich zu dem gemacht haben was ich sehe. Wenn ihr in der Lage seid, das wahrhaftig zu erkennen, dann werdet ihr nicht nur euch im Wasser erkennen, ihr werdet ein Teil dieses Wassers...dieser Hoffnung, die viele darin sehen...sein", brannte es sich in die Seele und schallte durch das Mark.


Xine starrte in das Spiegelbild aus Wasser, fokussierte jedes Detail mit Scham, Trauer und Missgunst. Er konnte sich nicht mehr selbst erkennen, nicht mehr erkennen was er sah. Schlussendlich war seine Maske zu seinem Gesicht geworden. Wie konnte er nur so blind sein? Wie konnte er so viel Angst vor dem haben, was er erlebt hatte? Was war passiert, dass ihn auf diesen Weg geführt hatte? Der Jedi schloss die Augen und vertrieb eilig die Gedanken, die sich türmten. Er presste seine Augenlider fest aufeinander um nicht nur die Gedanken zu vertreiben sondern auch die Tränen zu verdrängen, die sich ihren Weg seine Wange hinab bahnten. Fest umklammerten die Hände fast schon schmerzhaft den Rand des Spülbeckens, als das leichte Atmen zu einem Schluchzen verkam. Der Jedi wusste, dass ihn seine Trauer übermannte aber es fühlte sich gut an, für den Moment fühlte es sich so an als ob es genau das wäre, was sein Geist brauchte.


Einige Minuten vergingen ehe der Jedi das Schluchzen was seine Atmung bestimmte wieder unter Kontrolle bekam. Mit unterlaufenen Augen blickte er erneut in das Wasser, dessen Oberfläche noch von den hinab fallenden Tränen in Bewegung war.


"Teil der Hoffnung, die man in mir sieht...", formulierte er zaghaft mit den trockenen Lippen.


"Ich sehe den Weg den ich gegangen bin, ich erkenne welche Wege mich zu dem gemacht haben was ich sehe. Doch erkenne ich die Hoffnung, die man in mir sieht? Ist es das, was ich verloren glaube? Hoffnung?", fragte der Jedi sein Spiegelbild in der geheimen Hoffnung eine Antwort zu bekommen, doch sie blieb aus.


Xine schloss die Augen und nickte kaum merklich. Entschlossener fokussierte er das Wasser, grub seine Hände hinein und schöpfte etwas davon in sein Gesicht. Nachdenklich blickte er in das verschwommene Gesicht, dass ihn anstarrte.


"Dann ist es nun wohl meine Aufgabe herauszufinden, was ich sehe"