21 NVC - Haeldra - Ankunft

Kalter, erbarmungsloser Wind peitschte über die Landschaft hinweg, die aus einigen wenigen Gebirgen bestand auf denen sich der Schnee absetzte um in der Trostlosigkeit zu verweilen. Der XY-Frachter sank durch die dunkelgraue Wolkendecke hinab in den stürmischen Blizzard. Vom Wind getriebene Schneeflocken prasselten wie das Feuer eines Gewehres auf die Außenhülle ein und erzeugten ein turbulentes Gewitter im Inneren des alten Schiffes. Unter dem Druck knarzten die Bolzen, die das Schiff zusammen hielten und ihren Auftrag schon seit Jahren ausführten. Immer wieder glich die Pilotin die starken Böen aus und versetzte das Schiff in einen Zustand ruckartiger Bewegungen. Der Frachter verlor schnell an Höhe. Er wirbelte den frisch gefallenen Schnee auf als er nur wenige Meter über den Boden hinweg sauste und der Schnee durch die heißen Triebwerke Rauchschwaden erzeugte, die dem Frachter penetrant folgten.


Sirali atmete schwer in ihren Schal hinein während sie die Instrumente kontrollierte und Eingaben zur Landung vornahm. Mit den Augen sah man kaum etwas und so verließ sich die junge Frau auf ihre Intuition und die verschiedenen Sensoreinheiten. Die kleinen Schneeflocken saugten sich fest an die Frontscheibe und verdeckten die Sicht auf die Umgebung. Auf den jungen Jedi erweckte der Planet den Eindruck, dass er sein Antlitz lieber verborgen wusste. Er atmete tief durch und fühlte in die Macht hinaus. Viel eher in das tiefe schwarze Loch, dass in der Macht zu fühlen war. Er wanderte in der Macht von sich aus über die verschiedenen, unsichtbaren Fäden zu Sirali, zu dem Schiff und öffnete sich dann dem kalten Blizzard, der ihm die Nackenhaare aufstellte. Er hatte eine ungefähre Ahnung wohin der Frachter flog und folgte dieser Spur doch die Fäden schienen plötzlich in ein tiefes Loch aus Trauer, Sorge und Missgunst zu fallen. Krampfhaft schloss er die Augen und zog sich zurück.


Wie ein donnerender Sturm bollerten die aufgenommen Gedanken, Wünsche und Gefühle in seinem Körper umher. Sie reflektierten in das Innere des Jedis, wühlten Erinnerungen auf und brannten sich tief in die Seele des Menschen. Xine schnaubte verächtlich, denn er spürte wie viel zwischen ihm und Jedi wie Aloncor lag. Letzter war ein Empath, jemand der diesen Gedanken immer zu Gehör schenkte. Er hatte Routine, Können und Erfahrung. Der junge Jedi ließ die geballte gegen die Scheibe prallen als er verspürte wie eine einsame Träne seine Wange hinab lief.


„Wir sind gleich in Petro, Noah“, kündigte Sirali mit einer abwesenden Stimme an. Sie verschob ihre im Gesicht liegenden Haare mit einer Hand hinter ihr Ohr und blickte über ihre Schulter zu dem Jedi. Ihre Augen vermieden es die seinen zu treffen sondern suchten sich einen toten Punkt auf seiner Brust. Es war nicht, dass zwischen ihnen etwas vorgefallen war, es war viel mehr die bedrückende Stimmung, die nun auch Sirali gefangen hatte obwohl sie die Schwingungen der Macht nicht aufnehmen konnte. Ihr sonst so selbstsicheres Gesicht wich einer Mimik die dem Blizzard in Sachen Kälte in nichts nach stand. Xine brauchte die Macht nicht um das Bedauern in ihren blauen Augen zu sehen.

Das aufmerksame Treiben der Triebwerke klang langsam ab und der Frachter verlor an Geschwindigkeit. Es klickte kurz ehe die Landscheinwerfer in das Meer aus Schnee leuchteten doch kaum etwas zur Sicht beitrugen. Die Bewegungen des Frachters wurden stabiler als der Wind seine turbulente Symphonie zum Ende brachte. Wenige Masten, ausgestattet mit einer roten Leuchte am Kopfende deuteten nur schemenhaft die Begrenzungen der Landeplätze an. Zwei Gebäude ragten dem Himmel entgegen und wurden vom faden Licht, dass sich durch die Wolkendecke kämpfen konnte angestrahlt. Wie einsame Riesen erstreckten sich die zwei Gebäude unförmig in den Himmel hinauf. Ihre Außenfassade war eine bizarre Mischung aus verschieden farbigen Metallen. Wind und Dunkelheit verdeckten jedes Detail der Gebilde, doch ihre unorthodoxe Form war klar erkennbar. Eine kleine Windböe traf den Frachter erneut beim aufsetzen, zog ihn nach links nur um ihn aus dem Griff wieder zu entlassen. Sirali stabilisierte den Frachter erneut und ließ ein Stöhnen entfahren ehe sie sich nach getaner Arbeit in dem Sitz versank. Das rote Licht der Kontrollleuchten erfüllte das Cockpit als Triebwerke und Systeme ausgeschaltet wurden. Xine beugte sich über den Co-Pilotensitz und zog den Schal um seinen Hals zu recht. Seine kühlen Augen blickten durch die verschmutzen Frontscheiben nach draußen, begutachteten das Lager. Er konnte einige Blechhütten erkennen, mühevoll zusammengeschusterte Marktstände und Treppen, die wohl aus Schrotteilen bestanden und von Leitungen gehalten wurden. Er kam nicht darum das Lager, Petro, für einen kolonisierten Schrottplatz zu halten. Binnen Sekunden war ihm klar, dass sie sich dem dunklen Loch in der Macht genähert hatten. Sirali öffnete die Ladeluke und erhob sich aus ihrem Sitz, sie blickte ihm nicht ins Gesicht und machte keinen Laut, sondern zwang sich an ihm vorbei ohne den bedauernden Gesichtsausdruck zu verlieren, der ihre sonst so eigenwillige Art mit Demut füllte. Xine löste seine Augen von dem Lager und blickte der brünetten Frau mit den langen Haaren hinter her. Selbst ihr Gang hatte sich verändert und so runzelte er die müde Stirn ehe er ihr hinaus folgte.


Wäre die Macht nicht bereits schockierend einsam gewesen, so hätte es Xine spätestens beim Verlassen des Schiffes jegliche Wärme aus dem Körper getrieben, so nahm er den Anblick schließlich hin, während er Sirali folgte, die auf das Lager zu marschierte und durchschritt. Auf dem Weg erblickte Xine einen alten Mann mit weißem Bart. Er war in Lumpen gekleidet und suchte unter einem Stand aus Wellblech Schutz vor der klirrenden Kälte. Seine Lippen waren blau angelaufen und sein Körper zitterte wild im Kampf noch etwas Wärme zu erzeugen. Sein Körper wirkte schwach und gebrechlich, so dass Xine sich sicher war, dass er nicht mehr lange überleben würde. Der Anblick bekümmerte den Jedi und als er an dem alten Herren vorbei blickte, erhaschte er für den Bruchteil den Anblick eines verstümmelten Kindes ehe die Beine des Jedis ihn fort trugen.


„Was ist hier passiert?“, fragte er mit schwacher und leiser Stimme seine Gefährtin. Sirali ging weiter voraus und ballte ihre Hände zu Fäusten. Es war klar, dass sie selbst auch mit der Situation zu kämpfen hatte, antwortete jedoch abgeklärt und mit einem einzigen Wort.


„Zakuul“, presste sie karg zwischen den Lippen krampfhaft hervor, darauf achtend dass sie nicht die Fassung verlor.


Der Anblick wurde nicht sanfter und durch das Lager „Petro“ zog sich ein armes Wesen nach dem anderem. Sie waren nicht nur verletzt, verkümmert oder bedauernd sondern ebenso hoffnungslos. Dem Schicksal war es egal, wen die Kälte als nächstes zu sich holte. Kinder, Frauen, Männer, egal ob alt oder jung litten unter den harschen Bedingungen. Nur ab und zu fanden sich kleine Heizsäulen, die begehrt waren und deren Plätze von gierigen Halsabschneidern gegen Credits vermietet wurden. Auch hier hatten Gier und fehlender Skrupel seinen Platz in mitten der Armen und Kranken gefunden. Der Jedi atmete durch, riss sich zusammen und versuchte, die doch grausamen Eindrücke zu verarbeiten. Für einige Augenblicke blieb sein Blick auf einem kleinen Jungen die Straße runter hängen. Sein linkes Bein war geschient und er hatte eine Krücke unter die Achsel geklemmt. Sein Körper wirkte schwach und auch er fröstelte. Umso beeindruckender war es, dass jener Junge etwas von seinem kleinen Brotlaib in Zwei brach und es mit einer gebrechlichen Frau teilte. Wie erstarrt fixierte der Jedi die gutmütige Tat des kleinen Jungen und blieb stehen. Er spürte wie Trauer, Stolz und Wut in einem schädlichen Gemisch in seinem Körper umher rasten und seine Emotionen antrieben. Dunkelheit keimte aus den schmalen Spalten seiner innerlichen Festung aus Licht hervor.


„Noah? Kommst du?“, riss Sirali ihn aus seinen Gedanken heraus als sie dann plötzlich vor ihm stand und ihm direkt in die Augen blickte. Sein Blick war erschüttert und verunsichert während der ihre entschlossen war.


„Du weißt, dass wir ihm nicht helfen können“, klärte sie bestimmter Stimme den Jedi auf, ließ jedoch zart den Eindruck erwecken, dass ihr Satz unvollständig war.

Xine nickte, wendete den Blick auf Sirali und nickte erneut. Sirali quittierte sein Nicken mit einer Kehrtwende auf den Hacken und schritt wieder zielstrebig voran, zwischen den armen und kränkelnden Menschen hindurch. Erst auf dem zweiten Blick war ersichtlich wie langläufig das Lager war und wie viel Elend sich auf einem Punkt gesammelt hatte. Je weiter sie durch die Ansammlung aus Weltraumschrott, leblosen Körpern und seltsamen Gebilden wanderten, desto geordneter wurde es. Sirali trotzte dem Wind und hielt schlussendlich an einem Ausläufer des Lagers an. Zwei bewaffnete Gestalten positionierten sich vor den Ankömmlingen und bewachten eine metallene Lucke in ihrem Rücken.


Ihre Gasmasken verdeckten die Mimik doch ihre Körpersprache war eindeutig. Sie trieb die soziale Kälte voran, die jeden Ankömmling schon bei den Landeplätzen begrüßt hatte. Sie waren groß und stämmig gebaut, während Xine seine Chancen abzählte, blieb Sirali vollkommen gelassen.


„Was gibt’s?“, fragte der Soldat mit kalter und verzerrter Stimme durch die Atemmaske. Eine Frage, auf die Sirali nicht antwortete. Sie fuhr mit einer Hand in ihren zerfledderten Mantel und erregte die Aufmerksamkeit der Soldaten, die ruckartig ihr Gewehr hoben. Sirali blieb ruhig, Xine jedoch spannte jegliche Muskeln an und krümmte die Augenbrauen. In der Luft lag die Vorsicht, welche als Begleitung den brennenden Zorn hatte. Eine Situation, die schnell eskalieren konnte. Meist zum Schaden beider Parteien.


„Bitte beruhigt euch, ich werde meine Hand langsam aus dem Mantel ziehen und plane nicht euch zu schaden“, erklärte Sirali ruhig ehe sie eine kleine Plakette aus der Mantelinnentasche hinaus zog und vorzeigte. Xine konnte nicht erkennen, was auf der Plakette zu sehen war doch was immer es war, es zeigte seine Wirkung bei den Wachmännern. Die Soldaten senkten augenblicklich das Gewehr und traten jeweils einen Schritt zur Seite. Der Kleinere der beiden, schwang das Gewehr über die Schnalle auf seinen Rücken und beugte sich zur metallenen Luke herunter um diese zu öffnen. Eine Leiter war im Inneren befestigt und führte tief hinab in das Erdreich.


„Willkommen in Doma“, begrüßte der Soldat die Zwei. Sirali stieg zuerst hinab und Xine folgte ihr in die Dunkelheit.