18 NVC - Alte Schatten

Plätschernd wurde das Wasser zur Seite getrieben, als dunkelbraune Stiefel hindurch wanderten. Strahlende, grelle Farben spiegelten sich im schmutzigen Wasser und teilten nur einen Hauch des blendenden Lichts von Nar Shaddaa mit. Wohin auch der Blick sich verirrte, war er doch nie frei vom Anblick der künstlichen Tafeln, die ganze Hausfassaden zierten wie Gemälde. Penetrant und Aufdringlich wurde jedem Beobachter ein Energy Drink, ein neuer Speeder oder sonstige Güter durch die Augen ins Gehirn gebrannt. Für einige Sekunden fühlte sich das Innere wie ein Karussel an. Mit blinzelnden Augen versuchte man die Eindrücke zu verarbeiten ehe dies erfolglos abgebrochen wurde. Stattdessen wurde der Kopf gesenkt und die Augen geschlossen. Gepresst verließ die Luft den Körper durch die Nasenlöcher während zwei Finger das Nasenbein reibten.


Einige Sekunden verharrte der junge Mann und widmete sich seiner Selbst ehe er den Kopf wieder empor hob und sich umschaute. Nar Shaddaa schmetterte ihm wieder seine einzigartige Präsenz entgegen. Dabei war es schon sehr freundlich den Müll, den Gestank, die Reklame, Bettler, Gauner, Diebe und den prägnanten Dunst von Gier auch noch "Präsenz" zu nennen. Mit einem tiefen Atemzug fand diese seltsame Mischung seinen Weg in die Lungen des jungen Menschen ehe dieser seinen Weg fortsetze. Eine fließende Handbewegung öffnete den Rucksack auf dem Rücken und zog das eigene Datapad hervor um es mit flinken Fingern zu aktivieren und der Wegbeschreibung zu folgen.


"Noch ein kleine Stück", murmelte Xine in sich hinein.


Aliera, Asura und Idgie waren auf dem Weg den geheimnisvollen Kontakt zu treffen, der so dreist gewesen war und Idgie mit einer doch sehr persönlichen Nachricht konfrontierte. Wer in solchen Zeiten, solch eine Nachricht, so direkt weiterleitete und scheinbar keine Zeit zu verlieren schien, durfte nicht unterschätzt werden. Statt mit den Anderen den Kontakt zu treffen, entschied Xine sich für eine unterstützende Rolle. Ganz im Vorbild seines bisherigen Lebens war er auf der Suche nach Informationen über den noch unbekannten Spieler. Zakuul hatte nicht nur jegliche Regeln ausser Kraft gesetzt, die Xine jemals für sich zu kennen glaubte, sondern schärfte auch seine Vorsicht auf ein Maß, dass er zuvor kaum genutzt hatte. Jede Nachricht wurde analysiert, hinterfragt und Stück für Stück auseinander genommen. Plötzlich waren nicht nur sein Leben von Relevanz sondern auch Ressourcen, Notwendigkeit und Erfolgschance. Das große Ganze musste immer im Blick behalten werden, denn die andere Seite würde es auch tun.


Während er durch die Straßen von Nar Shaddaa wandelte und die zahlreichen Spezies passierte, ertappte sich der junge Mensch erneut dabei wie sein Verstand sich in die tiefsten Windungen von Tücke und List verirrte. Selbst diese Nachricht konnte eine Falle sein. Idgie war immer noch ein unbekannte Faktor mit einer ernstzunehmenden Vergangenheit. Das war ihm bereits auf Alderaan klar geworden, aber er hatte nicht erwartet, dass die Schatten ihrer Vergangenheit sie doch so schnell heimsuchen würden. Idgie war kein Spitzel, keine Ratte aber wer auch immer Midge war. Sie hatte weitreichende Kontakte und vielleicht so weitreichend dass es nur einen eifrigen Zakuul-Agenten bedarf um dieser Spur zu folgen. Er wollte ganz sicher sein, er wollte so viele Informationen einholen wie nur möglich.


"Hm...da wären wir. Keine Wachen, offensichtliche Überwachungsgeräte dafür aber mehrere Fluchtwege", konzentriert und analytisch klang Xines Stimme im lauten Gebrüll der Umgebung.


Der junge Mensch stand mit einigen Metern Abstand vor einem Wohnkomplex in den eher slumartigen Bezirken von Nar Shaddaa. Mit einer erneut flüssigen Handbewegung wanderte das Pad wieder in den Rucksack und der Mensch schritt voran.


"Ein Eingang auf der Vorderseite, einer an der Nebenstraße. Mehrere Fenster mit einer Distanz von weniger als vier Metern zum Nachbargebäude und...", der Mensch blickte während er sprach gen Himmel.


Zwei Jugendliche waren auf dem Dach eines der Wohngebäude und lehnten über die Brüstung. Im Flimmern der Lichter waren sie manchmal schwer auszumachen aber es vergingen wenige Sekunden ehe ein Aluminium Becher auf dem Boden aufprallte und Gelächter von oben herab klang. Die zwei Beobachter schienen Gefallen daran gefunden zu haben, Objekte von oben auf die Straßen zu werfen.


"...ein Dachzugang", vollendete der Ritter seinen mentalen Satz.


Leeto war ein alter Kontakt seines ehemaligen Meisters. Wirklich trauen konnte man ihm nicht, da seine Loyalität von materiellem kontrolliert wurde aber wirkte man feinfühlig auf ihn ein oder bot sogar etwas, dass er brauchte konnte er eine große Hilfe sein. Wenigstens konnte man sich sicher sein, dass er nie die Identität des Menschen offenbaren würde. Er wusste selbst, dass er vermutlich dabei hängen würde und so schwieg er wie ein Grab um nicht eines zu bekommen. Der Rodianer war nicht nur überrascht von dem Ritter zu hören, er wirkte auf Xine sogar noch etwas verängstigt. Irgendwas störte Xine am Verhalten des Rodianers ohne, dass er den Finger genau darauf legen konnte.


Mit zügigen Schritten betrat der Mensch das Gebäude und bewegte sich über das Treppenhaus in die siebten Stock zu dem Zimmer in das Leeto in bestellt hatte. Er kannte das Prozedere bereits und so stellte er sich vor die Zimmertür und kloppte im vereinbarten Takt. Nicht das er diese Methodik für effektiv hielt aber es waren Leetos Regeln und er brauchte Leeto. Der Rodianer öffnete die Tür vorsichtig, sehr vorsichtig. Mit eiligen Handbewegungen zog er den Menschen in das Zimmer hinein und verschloss die Tür wieder hastig. Es klimperte fürchterlich oft denn die Finger des Rodianers zitterten in einem geradezu beunruhigenden Ausmaß.


"G-gut das du es geschafft hast. Wurdest du verfolgt? Bist du verwanzt? Mit Krankheiten infiziert oder sonstig gefährlich?", hämmerte Leeto seine Fragen dem Ritter entgegen.

"Nein, in keiner deiner beschriebenen Fällen. Wieso? Sollte ich mir Sorgen machen?", entgegnete Xine dem Rodianer mit einer dezent besorgten Stimme.


Leeto schüttelte den Kopf und entfernte sich von der Tür. Das Zimmer war spartanisch. Neben einer Couch, einem Schreibtisch, dem passenden Stuhl und einem Holopad war nichts vorzufinden. Alles wirkte eher hastig zusammen gekramt als professionell organisiert. Ohne einen Sitzplatz anzubieten, platzierte sich Leeto auf den Stuhl und tippte auf das Holopad. Er schwieg eine Weile lang wirkte dabei aber nicht minder nervös.


"L-Leeto? Ich brauch Informationen, weißt du noch?", fragte Xine vorsichtig und näherte sich dem Rodianer.

"Ja. ja weiß ich....w-was brauchst du? Ich habe mich etwas umgehört anhand der groben Merkmale aber..ich brauche mehr.", spielte Leeto den Ball zurück.


Xine erzählte ihm von der Nachricht. Er erwähnte Midge, die Zerstörung des Schiffes und auch Idgie. Währenddessen hielt er sich mit zu vielen Details bedeckt und wählte seine Worte mit Bedacht. Als Xine, Zakuul erwähnte zuckt der Rodianer kurz zusammen. Es war ein kurzes Zucken blieb dem Blick des Jedi aber nicht verborgen. Für den Moment beließ er es bei der Beobachtung doch der Mensch war sich mittlerweile sicher, dass den Rodianer irgend etwas belastete.


"Mir wurde die Position eines Schließfaches mitgeteilt. Es ist ein anonymes Schließfach. Zwanzig Credits und man kann es für den ganzen Tag nutzen. Keine Prüfungen, keine Scans und keine Dokumente. Dennoch muss ich wissen wer dort etwas platziert hat. Kontakte zu Midge hat oder hatte. Jemand der auffällig ist, vielleicht sonderbar oder deplatziert wirkt. Einen Namen vielleicht schon.", führte Xine seine Wünsche in der Hoffnung aus, dass Leeto sie erfüllen könne.


Der Rodianer offenbarte sogar, dass er helfen könne oder es zumindest versuchte, doch auch er stellte eine Forderung, denn die Beschaffung würde etwas Zeit in Anspruch nehmen. Für einen Moment war Xine etwas verwirrt als der Rodianer ihn lediglich darum bat sich während der Zeit in dem Zimmer aufzuhalten. Xine musterte Leeto sorgfältig und kam zu dem vorläufigen Schluss, dass der Rodianer in irgendwelchen Schwierigkeiten war und nun wohl den Schutz eines Jedi benötigte. So sehr er ihm nun helfen wollte, seine Aufgabe lag woanders und so verließ er nach einigen Stunden den Rodianer wieder, offenbarte aber dass er nun öfter Kontakt halten will. Das Datapad was Leeto ihm zur Verfügung gestellt hatte, las er aufmerksam durch während er das Gebäude verließ. Scheinbar zu aufmerksam, denn erst als er draußen war bemerkte er die zwei Fleischberge, die an ihm vorbei in das Haus marschierten. Es dauerte nicht lang bis ein Feuer in dem Zimmer ausbrach dass Leeto nur wenige Momente zuvor als Treffpunkt genutzt hatte.


Mit konzentriertem Blick fokussierte er die Fenster und fühlte in der Macht hinaus. Auch wenn er Leeto nicht direkt spüren konnte so fühlte er, dass ihm nichts passiert war. Xine senkte die Augen auf das Pad und las die Informationen über ihren unbekannten Kontakt innerlich vor.


"Falco, Krige...endlich hast du einen Namen."