18 NVC - Fremde Familie

Die Hände des jungen Ritters fuhren durch das rote Haare und stützen dabei den Kopf. Die Ellenbogen waren dabei auf dem Tisch abgestellt und die Mimik deutlich verzweifelnd. Aus mehreren Pads glimmte ein dezentes Licht und erhellte das Gesicht sowie den umliegenden Tisch und etwas des Raumes. Eine Leselampe übernahm den Rest der Beleuchtung und gab dem Anblick noch eine Spur Trostlosigkeit. Langsam lehnte sich der Ritter nach hinten gegen den Stuhl. Ein tiefes Seufzen drang aus den Lungen heraus und erfüllte den Raum. Seit Stunden, seit Tage war er schon an diesem Fall am arbeiten. Officer Dences und er untersuchten die verschiedenen Ebenen, befragten Partygäste, Barbesitzer, Passanten, Standinhaber und jeder neue Hinweis lieferte eine weitere Spur, die schlussendlich in einer Sackgasse endete. Die Macht war Xines ständiger Begleiter doch auch sie vermochte nicht des Rätsels Lösung preiszugeben.


"...irgendwas übersehen wir."


Entnervt bebte die Stimme und zwei Finger der rechten Hand gruben sich in die Falten der Stirn. Die Augen waren stark zusammen gekniffen und innerlich rasten die Gedanken umher. Blitzsprünge zwischen verschiedenen Erinnerungen, Hinweisen oder Schlussfolgerungen aber nichts wollte wirklich zusammen bleiben. Es schien so als ob alle Gedanken bisher nur ein loses Konstrukt ohne Verbindung seien. Erneut ertönte ein Seufzen und Kopfschmerzen begannen sich auszubreiten. Die Tür des Raumes öffnete sich eine Spalt weit und das Licht des hell beleuchtenden Flures schien hinein ehe ein Zabrak-Kopf um die Ecke lugte.


"Ah...wie ich sehe seit ihr immer noch hier. Noch fleißig am arbeiten?"


Die tiefe, männliche Stimme durchbrach die Gedanken und herrschende Einsamkeit. Eine willkommende Abwechslung.


"Ja...ich komm einfach nicht weiter. Ihr macht jetzt Feierabend?"


Aus dem Mund des Ritters drang zusammen mit seinem Satz auch ein Seufzen aus. Müdigkeit und Erschöpfung klangen in jedem Wort mit und so blickte er den Zabrak an, der erneut zum Sprechen ansetzte.


"Ja...ich mach mich jetzt auf den Weg. Meine Frau hat schon gefragt wo ich bleibe."


Das Grinsen wurde schon hörbar noch bevor es im Gesicht des Zabrak ankam. Er wirkte trotz der späten Uhrzeit glücklich und zufrieden.


"Dann solltet ihr sie nicht lange warten lassen. Gute Nacht Officer."

"Gute Nacht Jedi Erauqs, wir sehen uns morgen."


Ein kurzes Winken und schon verschwand der Zabrak hinter der Tür. Man konnte seine Schritte im Flur schallen hören ehe diese verstummten und erneut erklangen. Er schien zurück zu gehen und diesmal kam er mit weitaus mehr Energie in den Raum hinein. Seine Stimme klang nicht nur amüsiert sondern auch freundlich einladend während seine Hand den Türrahmen umfasste.


"Ihr habt nicht zufällig etwas Hunger? Meine Frau kocht phänomenal."

"Ehm..."


Die Augen des Ritters fixierten den Officer. Kurz musste blinzeln als ob der schwungvolle Auftritt eine Windboe mit sich brachte. Langsam nickte Xine zu der Einladung ehe eine leise und verhaltene Antwort folgte.


"Doch, habe ich."

"Wunderbar, dann warte ich einfach hier vor der Tür bis ihr fertig seid."


Schon verschwand der Zabrak wieder hinter der Tür und Xine richtete den Körper auf.

Der junge Ritter nickte für sich, lächelte schmal und stand auf. Die Jacke nahm er vom Stuhl, schwang sie sich über und schaltete alle Geräte im Raum aus ehe er dem Zabrak durch die Tür folgte.


"Verzeiht, dass ich euch so sehr an den Fall binde."

"Ach..."


Tran Dences, der Zabrak, winkte mit der Hand ab. Dabei waren seine Schichten dank dem jungen Ritter nicht minder lang, aber entweder störte ihn das wirklich nicht oder er war so höflich sich nicht darüber zu beklagen. Er schüttelte leicht den Kopf und begann mit den Händen dezente Gestiken zu machen.


"Kein Problem Jedi Erauqs. Wir wissen beide wie wichtig und schwierig dieser Fall ist. Wisst ihr? Es ist beruhigend zu sehen, dass ihr selbst auch solange hier seid."

"Beruhigend? Weil ich solange hier bin? Wie meint ihr das?"


Mit dem steigenden Unverständnis des jungen Menschen, senkten sich die Mundwinkel von Tran immer weiter ab. Sein Gesicht wurde ernster ebenso wie das Thema um das es ging.


"Niemand schätzt die Polizeiarbeit, die Stunden, die wir hier täglich verbringen und in die Gefahr, in die wir uns begeben. Für viele sind wir entweder die, die den Stock im Arsch haben oder aber wir sind die, die nur faul herumsitzen, weil wir es ja nie schaffen rechtzeitig vor Ort zu sein. Kaum jemand sieht eigentlich was für eine immense Aufgabe das alles ist."

"Ich schätze eure Arbeit und ich denke, dass es sicherlich der Großteil tut."


Xine versuchte den Zabrak mit aufmunternden Worten zu beruhigen. Das Thema hatte er schon bereits öfter gehört und er konnte sich gut vorstellen, wie man über sowas in Rage geraten konnte.


"Da habe ich andere Erfahrungen gemacht bisher..."


Tran wedelte mit der Hand seine eigenen Gedanken weg.


"Entschuldigt...danke, dass bedeutet hier bestimmt einigen etwas."

"Gerne...ihr habt mir noch nicht erklärt, warum es euch beruhigt wenn ich ebenso lange hier bin."


Es zischte etwas als Tran die Luft in sich aufnahm. Eine Hand wanderte über ein Horn auf seinem Kopf und fuhrt dann über das Gesicht hinab. Seine Stimme klang nun zunehmend angestrengt.


"Im Vergleich zu uns werden die Jedi meist als die goldenen, strahlenden Ritter dargestellt. Diejenigen die Schlachten gewinnen. Unschuldige retten und das Böse bekämpfen. Es beruhigt, weil ihr eben zeigt, dass trotz all dieser Geschichten ihr genauso hart arbeitet...ihr ruht euch nicht darauf aus...versteht ihr was ich sagen will?"

"Mhm...verstehe. Ich denke, nein ich hoffe, dass diesen Eindruck alle Jedi vermitteln, die ihr trefft."


Die beiden Männer schritten durch die Gänge des Reviers. Ihre Schritte hallten durch den Flur und erzeugten das Gefühl vollkommen alleine zu sein aber immer wieder konnte man in die Büros schauen und sah noch ein paar Gestalten, die Berichte schrieben, recherchierten oder ihren Arbeitsplatz aufräumten. Je näher man dem Ausgang kam desto mehr fiel auch die Last ab. Die Gedanken verschwanden nicht komplett aber zumindest verschoben wurden sie. Officer Dences war Ende dreißig und in seinem Beruf äußerst erfahren. Seit einigen Wochen arbeiteten sie nun bereits zusammen und harmonierten sehr gut. Tran Dencers, war wieder eine dieser Personen, die dem jungen Ritter einen Blick auf das Leben werfen ließ, dass er geschworen hatte zu beschützen.


Nach wenigen Gängen gelangten die Männer nach draußen und verließen das Gebäude Richtung Parkpläte. Dort angekommen betraten sie den kleinen Gleiter von Tran. Er war für seine Größe geräumig. Ein älteres Modell mit durchschnittlicher Leistung. Vermutlich gering im Unterhalt und doch praktikabel im Alltag. Nachdem man abhob flog man ungefähr eine halbe Stunde im Verkehr von Coruscant ehe man zu einem mittelprächtigen Wohngebiet kam und der Gleiter in einer Hausübergreifenden Garage geparkt wurde. Der Jedi folgte dem Polizisten ruhig und man unterhielt sich über den Alltag, das Leben im Revier und unwichtige Themen im Bezug auf das Leben der Bürger auf Coruscant. Im 53. Stock ging es dann kurz links, einen Gang entlang um dann vor der vorletzten Tür auf der rechten Seite stehen zu bleiben. Das Gebäude schien sehr belebt und doch sauber zu sein. Man befand sich definitiv in einer ruhigen, sicheren Gegend mit genug Anstand. Bereits durch die Tür spürte Xine drei Personen, wovon zwei Kinder waren. Ihr Gebrülle und Gespiele drang bereits durch die Tür und verstummte als Tran den Schlüssel in das Schloss schob.


"Da wären wir."


Mit einem Schmunzeln auf den Lippen, drehte Tran den Kopf zu dem Jedi, der daraufhin beide Augenbrauen hob. Für den Moment war ihm nicht klar warum es nicht weiter ging.


"Hm?...Ist was?"

"Nein, alles gut. Ich wollte euch nur vorwarnen, die Kleinen können ziemlich stürmisch sein."

"Ach..."


Nun war es an Xine abzuwinken und so tat er es mit einem verzogenen Lächeln. Tran nickte und drehte den Schlüssel im Schloss um die Tür zu öffnen. Noch bevor sich die Tür vollständig aufschob begannen die zwei Zabrak-Kinder den Officer zu umarmen und zu umklammern. Er lächelte ob ihrer impulsiven Begrüßung und schob sie dann doch langsam in die Wohnung hinein, so dass Xine eintreten konnte.


Xine schmunzelte. Für einen Moment erinnerten ihn die zwei Kleinen an die Jünglinge auf Ska Gora. Es war diese unzerstörbare Freude, die auch dunkelste Stunden binnen Sekunden erhellen konnte. Trans Frau, eine weibliche Zabrak Anfang 30, übernahm die Tür während Tran selbst die Kinder in die Wohnung hinein scheuchte. Sie lächelte freundlich und bat den Jedi herein.


Mit zwei Schritten war der Jedi in der Wohnung angekommen und die Tür schloss sich hinter ihm. Im Innenraum herrschte eine angenehme Temperatur, es duftete nach einem Auflauf und alles wirkte sauber und geordnet. Sofort erfüllte ein Wohlgefühl den Jedi und die freundliche Begrüßung trug ihr Übriges. Der Blick huschte umher und fand mehrere Dekorationen, Pflanzen und Sitzmöglichkeiten. Zwischenzeitlich musste Xine überlegen. Er hätte die Pflanzen wohl doch eher an das Fenster gestellt und die Couch etwas gedreht, so würde er seine Wohnung einrichten.


Für den Moment bemerkte er nicht, dass Trans Frau, Susan, ihn angesprochen hatte. Er bemerkte auch nicht, dass sie es mit einem besorgten Unterton tat. Zuerst blieb er stumm ehe er mit einem Lächeln nickte. Für einen Moment hatte er sich gefragt wie es wohl wäre eine eigene Wohnung zu besitzen. Nicht nur in einem Zimmer zu schlafen wie man es auf Tython oder Coruscant tat sondern eine eigene Wohnung wirklich zu besitzen. Die Art von Frage, die schon öfters hervortrat. Immer wenn Tran das Büro verließ und Feierabend machte. Jedi hatten keinen Feierabend, nie. Jedi waren immer Jedi, es gab keinen Moment wo man frei von der Macht, seinen Pflichten oder irgendwas anderem im Bezug auf die Jedi war. Öfters hatte er bereits mit Tran gesprochen und was für Xine völlig normal schien, hatte den Zabrak erst geschockt und dann beeindruckt. Tran hätte das nicht ausgehalten gab er zu. War es so besonders sein gesamtes Leben daraufhin zu richten? Es gab einiges was den Wesen auf Coruscant wichtig war, viel mehr als materielles. Um auch diese Dinge zu beschützen mussten die Jedi es erst verstehen oder? Konnten sie das überhaupt?


Tran näherte sich erneut dem Ritter nachdem er die Kinder zum Tisch gebracht hatte. Mit einem einladenden Lächeln lotse der Officer, den Jedi durch die Wohnung so dass dieser auf einem Stuhl am Esstisch platz nahm. Susan richtete das Essen an, zuerst waren die Kinder dran, dann kam Xine und zum Schluss bekamen auch Tran und Susan jeweils ihre Portion. Der Ritter neigte das Haupt und bedankte sich bevor man begann zu essen. Immer wieder gab es zahlreiche Blicke der Kinder zu dem rothaarigen Menschen. Xine konnte förmlich spüren wie sie nur darauf warteten Fragen stellen zu können. Tran stellte den Gast in der Zeit vor und berichtete von seiner Arbeit. Als der Zabrak offenbarte mit einem Jedi zu arbeiten und das dieser Jedi nicht mehr als drei Teller entfernt von den Kindern saß hielten die Kinder sich nicht mehr zurück. Aus dem jüngeren der Zwei brach es schlussendlich heraus.


"Seid ihr wirklich ein Jedi!?"

"Ja, bin ich. Habt ihr denn noch nie einen gesehen?"


Die Kinder schüttelten fast synchron den Kopf.


"Nein, noch nie, aber schon viel von ihnen gehört zum...Beispiel tragen sie Schwerter aus Licht. Stimmt das?"

"Ja"

"Könnt ihr uns das zeigen?"

"Nicht jetzt."


Tran griff ein, sein Ton war leicht mahnend reichte aber aus um die Kinder zum Schweigen und zum Anstand zu bringen. Sie aßen still weiter. Nachdem alle mit dem Essen fertig waren schickte Tran die zwei in die Küche um mit ihm die Teller zu spülen. Susan blieb bei dem Gast und musterte ihn neugierig. Ihre Stimme klang zurückhaltend und vorsichtig um Xine wohl bloß nicht zu bedrängen.


"Kommt ihr gut zurecht?"

"Ja. Tran hilft mir dabei mich bestmöglich einzufinden und es gelingt ihm auch."


Der junge Ritter nickte und musterte seine Gesprächspartnerin aufmerksam. Sie wollte nur höflich ein Gespräch führen, schien dabei das Thema spontan zu wählen. Xine hingegen dachte an Zakuul und an die angespannte Lage.


"Das ist schön. Benimmt sich Tran denn gut in eurer Anwesenheit?"


Susan lächelte verschmitzt und blickte immer wieder knapp nach hinten um sicherzugehen, dass Tran ihren kleinen Seitenhieb nicht bemerkte. Xine quittierte ihre Frage mit einem kurzen Schmunzeln ehe er antwortete.


"Ich denke schon, dass er sich benimmt. Abgesehen davon bin ich nur ein Jedi und kein Würdenträger, bei dem man sich besonders angemessen verhalten müsste."

"Nur ein Jedi!?"


Susan konnte ihr Lachen nicht zurückhalten. Zumindest fuhr ihre Hand vor den Mund. Sie lachte fröhlich und amüsiert, keineswegs abwertend. Dem jungen Menschen gefiel das Lachen, denn es zeugte von viel Ehrlichkeit und trotz dem Grund erzeugte es ein Wohlgefühl.

Scheinbar nahmen die Leute um ihn herum die Jedi vollkommen anders wahr als er selbst. Sicherlich war man in der Macht bewandert, sicherlich war man gebildet und sicherlich in gewisser Weise exotisch. Doch hier kam eine Art Bewunderung mit dazu, die dem jungen Menschen fremd wirkte. Was taten sie so besonderes, dass dieses Lob rechtfertigte? Obwohl er es nicht wirklich nachvollziehen konnte nickte er freundlichst.


Susan erhob sich und bewegte sich Richtung Küche. Xine hingegen lehnte sich in den Stuhl hinein. Hier wirkte Ska Gora so weit weg. Der Krieg fühlte sich kaum real an und die Atmosphäre war zumindest jetzt eigentlich harmonisch. Trotz dem Chaos gab es Harmonie. Das Schmunzeln bahnte sich den Weg über die Lippen, wich aber der Verwunderung als die zwei Kinder neben ihm standen und ihn mit großen Augen anschauten. Xine wusste bereits weswegen sie hier waren aber dennoch zwang ihr Blick ein Lächeln auf seine Lippen.


"Na? Ihr wollt jetzt wohl das Schwert aus Licht sehen hm?"

"Ja!"

"Hehe, okay okay. Ein Jedi hält sein Wort."

"Thon wird so neidisch sein!".


Der Ältere der Beiden sprach triumphierend und auch wenn Xine der Gedanke nicht gefiel, dass man mit ihm angab so war es diese kindliche Freude, die ihn wenigstens für den Moment die Schrecken von Zakuul vergessen ließ.


Xine erhob sich, hockte sich vor die zwei Kinder und zeigte ihnen die Lichtschwert. Er erzählte ihnen noch einige andere Dinge über die Jedi und über die Macht. Nicht selten hinterließ er fragende Blicke und zu seinem Vergnügen trat dies auch bei Tran und Susan auf. Wenige Stunden später verließ er wieder die Wohnung der Familie, bedankte sich und verließ die Wohnung. Morgen würde es weitergehen aber es war schön mal abzuschalten. Es war schön mal woanders zu sein und einfach nur Freude zu sehen und zu geben. Für einen Moment fühlte es sich schön an eine Familie zu haben.