18 - Nemesis

Der Staub kroch langsam in die Lungen. Jedes Atmen zog mehr von dem feinen Gemisch von Sand, Schutt und Dreck in den Körper hinein. Ein Vorhang aus selbigen hatte sich über die Räumlichkeiten gelegt. Xine hatte die Augen geschlossen während er hinter einer Trennwand kniete. Ein Fuß auf den Boden aufgesetzt und die Hände auf die Oberschenkel gelegt.


Sie waren in einem Gebäude. Im dreiundzwanzigsten Stock eines Hochhauses. Einschläge von Geschützen hatten das Gebäude bereits mitgenommen. Spuren des Kampfes zogen sich durch jede Etage, durch jeden Gang. Hier hockten sie, warteten sie. Hinter der Wand, vor der Xine hockte verlief ein Gang horizontal zu ihm. Der Captain des republikanischen Sturmtrupps und er wiesen die Soldaten an, sich in den anliegenden Räumen zu verstecken während man Sprengfallen aufstellte.


Viel trennte die Soldaten und Jedi nicht von dem Gang. Die Wand war bereits beschädigt und an vielen Stellen durchbrochen. Immer wieder konnte man durch eine Lücke in den Gang hineinspähen während man selbst unter der Staubschicht begraben wurde. Sie wurden verfolgt, von einigen Sprungtruppen und einem Zakuul-Ritter. Im offenen Kampf waren sie ihnen zuletzt deutlich unterlegen gewesen. Hier in dem recht engen Gebilde hoffte man mit Tücke doch einen Sieg zu erringen. Es war eine riskante Taktik aber es waren auch riskante Zeiten.


Langsam krochen die Machtsinne durch den Gang entlang, suchten den Zakuul-Ritter in dessen Begleitung sich wohl auch die Sprungtruppen befinden würden. Sensortechnik, Com-Geräte, alles was mehr als ein paar Meter ging war nutzlos. Irgendwie hatte Zakuul es geschafft ihnen die Technik zu nehmen. So war auch die Initialladung einfach nur zeitgesteuert. Das Timing war wichtig.


"Meister."

Eine leichte, verzerrte Stimme erklang knapp hinter ihm. Sie war seltsam. Vertraut aber dennoch konnte er sich nicht entscheiden. War sie männlich, weiblich? Ein Gefühl umgab ihn, denn obwohl die Stimme für ihn im Moment unbestimmt war, wusste er wer hinter ihm war.


"Padawan."

Erwiderte er und gab das Wort für den Padawan frei. Ihm fiel kein Name ein oder der Wunsch ihn zu erwähnen. Padawan war das einzige Wort, das er mit der Gestalt verbinden konnte. Leise und vorsichtig begann die Person hinter ihm an zu sprechen.


"Sie kommen näher...fühlt ihr es auch?"

"...Ja"

Ein Ritter der Zakuul gefüllt mit Hass und Zorn, wie ein Leuchtfeuer, das den Boden bei jedem Schritt erzittern ließ und entflammte.


"...Und es sind Sprungtruppen dabei."

Sein Padawan ergänzte. Ein gutes Gehör gab er zu. Vermutlich hatte sein Schützling wieder die Geräusche der Bewegung wahrgenommen, die die Sprungtruppen bei ihrer Bewegung erzeugten.


"Gib dem Captain Bescheid."

Xine befehligte seinen Schützling mit einer ernsten aber konzentrierten Stimme. Daraufhin huschte die Gestalt für einige Sekunden davon und tat was befohlen wurde. Unterdessen näherte sich der Ritter. Seine Aura war immer noch blendend und Xine musste sich anstrengen mehr als nur das Feuer wahrzunehmen. Viel fehlte nicht mehr. Noch ein Stück.


"...nur noch ein Stück du goldener Blechhaufen."

Die Macht war in Schwingung und sein Schützling positioniert sich wieder hinter ihm. Wo waren sie eigentlich? Welcher Planet? War es Tag oder Nacht? Zeit und Raum verschwamm und alles war kaum von Bedeutung im Angesicht des Momentes. Selbst an den Kampf, der sie hierhin trieb, war verblasst. Nicht mal ihn konnte er sich erinnern. Langsam löste er erst die Haupthand und dann die Nebenhand von seinem Gürtel. Wie viel Zeit war in diesem Krieg nun vergangen? Wie viel Leid mussten alle erleben? Fragen füllten den Kopf des Ritters der langsam und zum letzten Mal die Luft in den Körper hineinzog ehe sich die Präsenz reduzierte um so unauffällig zu sein wie nur möglich.


"Konzentration Padawan..."

Der Boden bebte, doch mehr aus subjektiver Wahrnehmung, denn aus wirklicher Erschütterung. Der Zakuul-Ritter war wie ein Monster, unüberwindbar und allumfassend. Die ersten Sprungtruppen gingen langsam an der Position von Xine vorbei mitten in das Fallennetz. Sie mussten alle erst den Korridor betreten sonst wäre es zu früh und dann wäre es zu Ende mit ihnen.

Die Sprungtruppen zogen an ihm vorbei und dann positionierte sich der Zakuul-Ritter in seiner goldenen Rüstung vor das Sichtfeld des Jedi-Ritters. Groß, massiv und prägnant. Ein Schwert in der Hand. Keine Lanze, kein Schild. Der Raum war zu eng dafür, was wohl auch die Zakuul erkannten. Der Kopf des goldenen Wesens zuckte kurz und ebenso fühlten die Idee, wie die republikanischen pünktlich die Sprengladungen hochgehen ließen.


"Los."

Seine Stimme verklang in dem monströsen Lärm den die in Reihe geschalteten Sprengladungen erzeugten. Der Staub wurde aufgewirbelt, die Luft vibrierte und alles bebte. Teile der Decke fielen an einigen Stellen hinab, Wände zerbrachen oder wurden weiter beschädigt. Ein ganzes Areal wurde durch die Explosionen am Ende des Korridors dem Erdboden gleichgemacht. Hitze schoss die Etage entlang ohne das tödliche, allesumfassende Feuer mit sich zu ziehen.


"Los!"

Die Stimme brüllte in sein Inneres, trieb jede Faser es Körpers an. Der Vorhang fiel binnen Sekunden als die Macht den Körper des Ritters und seines Schützlings flutete. Aus der knienden Position sprang Xine auf und in Richtung des goldenen Kriegers. Der Padawan zerstörte den restlichen Teil der Wand vor ihnen beiden mit einem Machtstoß und so prallte der Jedi-Ritter augenblicklich in seinen goldenen Nemesis. Erst die Blaue und dann die grüne Klinge erleuchteten im dunklen, staubigen Gang. Die Klingen wirbelten umher und attackierten die Defensive des Ritters. Der Schützling folgte, unterstütze die republikanischen Truppen und machte sich daran die Sprungtruppen auszuschalten.


Xines Gedanken waren geteilt. Auf der einen Seite umfasste ihn der Kampf. Spannung trieb sich durch den Körper. Seine Bewegungen nutzen jede Lücken und brachen neue auf während sich der Geist davor schütze die vergangenen, schmerzlichen Erfahrungen an den Körper weiterzugeben. Die andere Seite umfasste das Wesen, dass er Padawan nannte. Mutig und geschickt bewegte sich sein Padawan durch die Menge, zögerte nicht zu helfen und erwies sich als erprobt, doch ein seltsames Gefühl überkam ihn. Irgendwas stimmte nicht.


Die Lunge brennte unter dem Staub, der mit der Luft immer wieder seinen Weg in den Körper fand. Xine schnaufte und ließ brutale Schläge auf den Ritter niederprasseln in einer Geschwindigkeit, die unter den Umständen jeden Schlag wohl nur wie ein nicht enden wollendes Geflecht aus Lichtsäulen erschienen lies. Sein Nemesis war vor ihm und wehrte sich tapfer. Jeder Schlag schien aber dem Ziel einen Schritt näher zu kommen. Sein Schützling verblasste in der Wahrnehmung, die Soldaten verblassten in der Wahrnehmung und auch die Sprungtruppen taten es. Mit jedem aufprallen der Klingen wurde das Geräusch immer dumpfe und dumpfer.


Ein gezielter Schlag unter den Griff trennte die Hand des Zakuul-Ritters vom restlichen Körper. Ein Streich über den Oberschenkel brachte ihn auf die Knie. Der folgende Tritt stieß das goldene Wesen auf den Rücken und trieb ihn zur fehlenden Wand zwischen Gebäude und Freiluft. Um Xine herum wurde alles dunkler. Es fühlte sich an als ob er die Umgebung ausblenden würde. Nur noch er und der Zakuul-Ritter. Jene Gestalt, die auf Tython einfiel und Jedi tötete. Jene Gestalt, die die Hoffnung zu Grunde richtete. Jene Gestalt, die die Macht auf eine perfide Art verspottete.


"Keine Fehler. Keine Gefahr. Keine Gnade."

Xine sprach es mit fester Stimme während er langsam näher an den Kopf des liegenden Zakuul trat. Die blaue Klinge strahlte und war mit der Spitze auf den Helm gerichtet. Jedi töten keine Gefangenen, keine Wehrlosen aber dieses Wesen war nicht wehrlos, kein Gefangener. Es war eine Gefahr, eine die es zu beseitigen galt. Ihn am Leben zu lassen würde eine Gefahr hinterlassen, die später nicht nur ihm das Leben kosten würde sondern auch anderen. In ihm pulsierte etwas als er langsam die Hand mit der Klinge hob. Etwas verwehrte sich dieser Ansicht.


"Ich..ergebe mich...bitte...verschont mich"

Erklang es aus dem Helm. Verzerrt, schmerzerfüllt und hilfesuchend. Glaubte er es oder war es ein weiter Trick, eine weitere List?

Hoffnung war es, die er vermitteln wollte. Hoffnung an eine gute Zukunft, an eine Möglichkeit und auch Hoffnung in die Wesen um sie alle herum. Hoffnung in die Macht. Die Klinge tanzte über dem Helm des Zakuul-Ritters. War dieser Moment wo die Hoffnung nun starb? Wo sie nun versiegte?


"Ich..."

Plötzlich war es anders. Xine fühlte sich nicht mehr wie Herr über seinen Körper. Nein, viel mehr fühlte er sich nicht mal in seinem Körper. Sein Blick wich vom Ritter und offenbarte das Bild, dass der Jedi-Ritter und sein Zakuul-Gegner offenbarten. Der Eine auf dem Boden liegend während der Andere zum Stoß ansetze. Als ob er neben sich stand konnte er nur sehen wie sei n Körper die Klinge niederfahren lies und das Lichtschwert in den Helm trieb. Er stand daneben und konnte nur sehen wie die Hoffnung verstarb. Eine Stimme schrie in seinem Geiste, erklang im Nichts.


"Meister!"

Schweiß lief die Stirn hinab, über den Hals am Oberkörper entlang. Sein rechte Arm war nach vorne an die Decke gestreckt und sein Atem hielt still. Die Augen starrten die feine Maserung der Steindecke an während sich die linke Hand am Rahmen des Bettes festklammerte. Anspannung war durch den kompletten Körper gefahren. Erst als die Luft gepresst die Lungen verlies, verstand der junge Mensch, dass sein Traum nun vorbei war. Die Augen schlossen sich nachdenklich, ehe sie langsam wieder geöffnet wurden. Die Nachricht war offensichtlich, denn sein Geist hatte ihn vor dem Moment gewarnt an dem er die Hoffnung in alles verlor. In die Macht, die Jedi und das Leben.