14 NVC - Aufenthalt auf Kashyyyk - Tag 381

Ein leises Knistern ging durch den Wald. Ein dezentes, erhellendes, oranges Licht erleuchtete zahlreiche Bäume. In der Nähe des Feuers flogen einige Funken durch die Luft. An einem Baum konnte man den flackernden Schatten einer Person sehen. Bis auf das verzerrte Bild schien sich die Person nicht zu bewegen. Eine leichte Rauchsäule stieg in den Nachthimmel hinauf. Der Wind lies die Blätter rascheln und zwischendurch hörte man das Leben des Waldes, der Natur.


Der junge Padawan saß im Schneidersitz vor dem Feuer, obwohl seine Mimik eher ausdruckslos sein sollte waren es die kühlen Augen, die dem Ganzen etwas abweisendes verliehen. Ein dünner Stock in der Hand des Menschen wurde immer wieder in das Feuer getrieben und in das brennende Holz. Wirklich Sinn machte es nicht, aber der Haltung nach zu urteilen, war Sinn etwas mit geringerer Bedeutung.


Es war ein nerviges und unkontrolliertes Zucken, dass durch den Körper ging. Die Kälte war immer noch zu spüren und so setzte er sich näher an das Feuer, näher als er es ohne hin schon war. Als er John hatte verloren, war die Flucht nicht weniger ereignisreich gewesen. Der Katarn hatte sich an seiner Robe festgebissen und so war er gezwungen diese aufzugeben. Seit dem Zeitpunkt, war es ein seltsames Gefühl, dass in ihm wohnte.


"John."


Murmelnd sprach der Mensch in das Feuer. Die Stimme hatte etwas enttäuschtes im Klang. Bindung war ein zweischneidiges Schwert und würde es immer bleiben. Auf der guten Seite lieferte die Bindung Nähe, Vertrauen und konnte viele Situationen nicht nur vereinfachen sondern ermöglichen. Die Bindung zwischen Meistern und ihren Padawanen war ebenso eine solche Bindung. Ihre Intensität war atemberaubend, wenn die Macht sie zusammenführte. Tiefes Verständnis war möglich, nur von Taten sondern auch von Gedanken, Denkweisen und Gefühlen. So eine Bindung teilte er mit Sirkos, mit seinem Meister. Wirklich Gedanken hatte er sich über Bindungen nie gemacht. Natürlich wurde er darüber aufgeklärt. Natürlich lehrte man ihn, dass Bindungen gefährlich seien und vermieden werden müssen. Er nickte die Lektionen jedes Mal ab, jedes Mal dachte er sie verstanden zu haben. Siralis war zwar keine dauerhafte Bindung aber auch so spontan wie sie war, genauso einschneidend konnte sie sein. Sie war ein Beweis. Für den jungen Padawan war diese Erfahrung ein Beweis dafür, dass Bindungen sehr schnell, sehr viel zerstören konnten.


"Meister."


Flüsterte der Jedi zum Feuer. Doch Bindung war so viel mehr, als nur eine Person zu lieben, hassen, mit ihr befreundet zu sein oder von ihr zu lernen. Bindung war kein Konstrukt, dass neben der Macht existierte und immer wieder dort eingriff. Immer zu sprach man davon sich nicht zu binden aber wer hatte schon auf die Bindung eines Jedis zu seinem oder seinen Kristallen geachtet. Wer erwähnte, dass die Bindung zu seinem Meister genauso und wenn nicht sogar intensiver war? Die Leute die es erwähnten, dachten sie stetig daran? Prüften sie es?


Xine wiegte den Kopf von links nach rechts und schloss die Augen dabei. Den Stock führte er mit einem Ruck komplett ins Feuer und lies ihn los. Angespannt löste sich die Luft aus dem Körper und presste sich durch die Nasenlöcher in die Freiheit.


"Bindungen...ging es darum Meister?"


Sein Verstand hatte ihm einen Streich gespielt. Vielleicht war es auch nur eine Schutzreaktion, er wusste es nicht. Zumindest die Menschen unter den sozialen Rassen konnten wahnsinnig in fortwährender Einsamkeit werden. Wie entgegnet man der Einsamkeit? Man ist schlicht nicht einsam. Einige werden wohl mit sich selbst reden, andere etwas zum pflegen finden. Egal ob Tier, Pflanze oder sich selbst. Menschen konnten sich anpassen und erfinderisch sein. In der Not wurden Aufgaben einfach erfunden. Was hatte er getan? Er war hatte sich vorbereitet. Er hatte sich für eine Jagd gerüstet, hatte Steine geschliffen um sie als Waffe zu nutzen. Zur Selbsverteidigung und zum Angriff.


"Ein...Stein."


Klang es fast schon vorwurfsvoll aus dem Mund des Padawan. Sei es Stein, Klinge, Blaster oder Lichtschwert. Sie alle waren Werkzeuge, Waffen oder auch Symbole. Niemand sprach davon, dass man sich an eine Person hatte binden müsse, er tat es nicht. Ohne es wirklich zu begreifen, band er sich an ein Werkzeug. Er band sich an einen Stein. So dumm es selbst im Verstand des Menschen klang, genauso plausibel konnte er es sich erklären. Der Stein, den er gefertigt hatte, war nützlich. Mit dieser Waffe, dem Werkzeug, konnte er verschiedenste Dinge machen und so konnte er überleben. Auf eine gewisse Weise half dieser Stein ihm also. Die Fertigung nahm Zeit in Anspruch und so wäre ein Verlust eines solchen Werkzeuges gleichbedeutend mit Arbeit, Arbeit die einem erspart bliebt, wenn man auf das Werkzeug aufpasste. Passte man auf den Stein auf, so passte er auf einen selbst auf.


Tief zog der Mund die Luft ein, die warme Luft des Feuers. Hitze strahlte von dem flackerenden Licht auf den Körper ab. Die Augen öffneten sich, fixierten den Flammentanz.

Sein Verstand reflektierte seine inneren Gedankenfragen auf diesen Stein. Mag es fehlendes Selbstvertrauen gewesen sein oder aber der Wunsch, dass er jemandem zum reden hatte. Langsam wurde der Stein zu einer Person, bei der er reden konnte und die ihm zu hörte. Zu Beginn war es eine schlichte, amüsierte Handlung. Frei in die Luft zu sprechen, wirklich zu hören was man sagte und so den Gedanken freien Lauf zu lassen. Doch fließend wie das Wasser eines Flusses, veränderte sich die Handlung zu einer Angewohnheit und mit der Zeit glaubte er seine eigene Illusion. Es war Angst, Furcht vor Einsamkeit. Das gestand er sich ein, selbst wenn er vielleicht falsch lag und der Kern tiefer saß. Der Verlust von John war ein Schock und gleichermaßen ein Weckruf. Sein Verstand meldete sich, offenbarte ihm die Wahrheit, weckte ihn aus einem tiefen, dunklen Schlaf. Gleichzeitig zermürbend und doch anspornend deutete sein Geist auf den Fakt hin, dass er die ganze Zeit fast alleine war.


"Die Macht."


Ein feste Stimme verließ den Körper. Gefüllt mit Sicherheit und Überzeugung. So tiefgreifend diese Erfahrung war, so unheimlich dumm sie klang. Sie hatte ihre Vorteile dargestellt. Die Einbildung von John sättigte den Wunsch nach Gesellschaft und sein Geist widmete sich der einzigen klaren Linie, die einen Jedi wirklich leitete. Die Macht war eine Essenz, die er zwar immer spürte, der er sich in der Zeit aber auf eine neue Weise öffnete. Gefolgt war er ihr, leiten ließ er sich von ihr und sie führte ihn nicht nur durch den Wald, über den Planeten, nein sie erteilte ihm eine Lektion, reflektierte seine Probleme und stütze ihn. Sein Meister, ob wissentlich oder nicht, ermöglichte ihm eine Lektion, die sich tief in das Innere brannte. Bindungen waren immer da, allgegenwärtig. Kein Wesen war sicher vor ihnen und sie konnten alles treffen. Personen, Objekte, Orte, Ereignisse, Erinnerung. Die Jedi waren nie ungebunden, sie hatten lediglich einige Bindungen akzeptiert und aufgenommen. Bindungen waren perse nicht falsch, doch mussten sie einen Zweck erfüllen. Die Jedi waren an die Macht gebunden, banden sich freiwillig. Sie gaben ihr Leben um die Macht zu erforschen. Doch die Macht machte sie zu dem was sie nun waren. Die Macht formte sie. Eine Bindung zwischen Meistern und ihren Padawanen war ebenso gefährlich, doch sie hatte auch den Vorteil inne, dass die Schüler durch solch eine Bindung wuschen und neue Dinge erfuhren. Die Bindung war erforderlich und lehrte in ihrer eigenen Form eine der härtesten Lektionen.


"Sei bereit dich von dem zu lösen, dass dir Nahe ist."


Erneut wurde die Luft aus dem Körper gepresst. Eine Präsenz kam langsam näher, er spürte sie erst seit Kurzem. Der Distanz nach zu urteilen war es ein Wesen, dass sich zuvor in der Macht verbarg oder die Präsenz soweit drosselte, dass er sie zu spät wahrnahm. Dem Spüren der Präsenz folgte das Gehör, welches Schritte wahrnahm. Langsam erhob sich der Padawan aus seinem Sitz, ebenso langsam drehte er den Körper um. Es war kein Erstaunen in dem jungen Menschen zu spüren. Innerlich hatte er sich von seiner Erfahrung mit dem Stein gelöst, von seiner Landung auf Kashyyyk, über den Aufenthalt, bis zu dem Zeitpunkt, dass Meister Sirkos ihn hatte verlassen. Er hatte sich von den Gedanken dazu gelöst und erkannt, was er neues gefunden hatte. Gelogen wäre es, wenn er nicht stolz auf sich gewesen wäre. Ebenso wäre es gelogen gewesen, wenn er nicht froh war seinen Meister zu sehen.


"Padawan."


Erklang die tiefe Stimme durch die Nacht. Sie war nicht deutbar, weder kühl noch warm.


"Meister."


Antworte der junge Mensch dem Jedi. Es folgte eine Verbeugung, die auf ein sanftes Kopfneigen traf. Der alte Jedi trat näher zu seinem Padawan, löste seine Robe und legte sie dem Padawan um. Der neutrale Blick wich einer stolzen Miene.


"Gut gemacht."


"Danke."


Auch wenn es nur kurze Worte waren und auch wenn man hätte sicherlich mehr sagen können. Die Kälte war hinfort. In ihm spürte er wie es aufflammte. Das Band zwischen ihm und seinem Meister, wie es sich festigte. Sein Meister hatte etwas getan, was er selbst verurteilen würde aber die Rückkehr, seine Worte und seine Präsenz gaben ihm Anlass zum Vertrauen. Mehr Vertrauen als er ohne hin schon besaß.


"Padawan...belassen wir es bei einem Zopf bitte. Du siehst schrecklich aus."


Ein langsames Lächeln zog sich über das Gesicht des Mannes. Trotz des Lächeln war es ein fokussierter Blick, wieder tief in die Seele schauend. Xine erwiderte den Blick, seine Mundwinkel zuckten kurz und der Blick festigte sich ebenso.


"Ich bin bereit."


Der Mann nickte kurz. Schmerz, Verlust doch auch Freude mischte sich zusammen mit anderen Emotionen im Körper. Es war kein von Freude geprägter Moment sondern einer der den Entschluss nur deutlicher machte. Welche Fehler er auch in Zukunft machen würde. Er würde sich den Konsequenzen beugen. In seinem Herzen hatte sich endgültig gefestigt, dass er der Macht folgte.