14 NVC - Aufenthalt auf Kashyyyk - Tag 30

"Es gibt keine Gefühle, nur Frieden."

"Es gibt keine Unwissenheit, nur Wissen."

"Es gibt keine Leidenschaft, nur Gelassenheit."

"Es gibt kein Chaos, nur Harmonie."

"Es gibt keine Tod, nur die Macht."


Die Augen des Padawan öffneten sich. Die Schwingen des Feuers erhellten das verschmutzte, kühle Gesicht während der Mittelpunkt der Augen das Feuer selbst war. Begierig und desillusioniert beobachtete der Padawan die glühenden Flammen. Begutachtete ihre Bewegungen und nahm ihre Wärme auf. Er blieb ausdruckslos als der Geruch von gebratenem Fleisch die Nasenhöhlen begann zu fluten. Eine Echse war auf einem Stock aufgespießt worden und mit einer ruhigen Bewegung, drehte der Padawan den Stock immer wieder damit sich das Fleisch gleichmäßig den Schwingen der Flammen hingibt und darunter erliegt. Er hatte es öfter getan. Öfter getötet. Öfter anderes Leben genommen um sein eigenes zu erhalten.


"Selbstsüchtig", hallte es in seinem Kopf. "Egoistisch und Ignorant", pochten die Stimmen in seinem Kopf. War es so? War es falsch? Anderes Leben zu nehmen um das Eigene zu erhalten? In jeder Unterrichtsstunde auf Courscant hätte er "Ja" gesagt. In jeder..ausnahmslos aber nun saß er hier. Hier bereitete er sein Mahl vor, welches sich noch vor 5 Minuten in den Blättern versteckt hatte. Langsam drehte er die Echse und musterte ihren Körper. Seine Augen konnten nicht von seiner Beute weichen. Es war kein Triumph sondern Schande. Scham war es was er fühlte. Unfähigkeit. Doch er hatte es schon immer getan oder? Zwar nicht mit den eigenen Händen aber die Verpflegung auf Coruscant kam schließlich auch von woher. War dies also die Antwort? Xine seufzte und entfernte den Stock samt Echse vom Feuer und ließ ihn vor sich schweben. Er nutze die Macht. Es fühlte sich fast wie Verrat an doch war es nur eine der vielen Stimmen, denen er sich entgegen stellte. Jetzt, hier war der Hunger da und er wusste, dass er ihn stillen musste. Jeder Bissen war erfüllt von Fragen und Vorwürfen, welche nur durch den Drang zu Überleben und den Gedanken an die Pflicht übermannt wurden.


30 Tage waren es nun. Ein Monat seit Meister Sirkos ihn hatte zurück gelassen. Zuerst dachte er es wäre eine Strafe, dann dachte er es wäre eine Prüfung und mittlerweile wusste er nicht mehr was er denken sollte. Mit der Zeit hatten sich die Gedanken für den Grund langsam aber stetig immer mehr zurückgezogen. Er suchte Zuflucht in der Macht, so dass sie ihn leiten würde. Geantwortet hat sie nicht. Keinen der Hilferufe erwidert. Was sie tat war Ruhe zu vermitteln, was wiederrum Trost spendete. Die Faszination konnte bisher nicht weichen. Sobald er sich in die Meditation begab konnte er das Leben um sich herum spüren. Es war so beruhigend und doch unwirklich. Der natürliche Kreislauf des Lebens beinhaltet den Tod. So war es immer und so wird es wohl auch immer sein. All dies fühlte er und mit jedem Lebewesen, welches er spürte, erhöhte sich die Schuld in ihm. Wurde prägnanter und fordernder.


Viel blieb von seiner Mahlzeit nicht übrig, als er den Stock zur Seite legte und wieder den Flammen lauschte. Schuld war wohl das prägnanteste Gefühl, dass er spürte. So gut er sich an die Zeilen erinnerte. So gut wie er sich an das Leben erinnerte. So schwer war es für ihn diese Schuld zu verarbeiten. Es war seltsam. So als ob der Kodex selbst ihm diese Schuld gab. Vielleicht war genau dies der Grund dafür, dass sein Verstand ihm seine Tat vorhielt. Äußere Schuldzuweisungen konnte er verarbeiten, abblocken oder ignorieren doch Schuld, die von innen kam, von ihm selbst kam war anders.


"Es ist alles Meister Sirkos' Schuld", fauchte der innere Xine, der verzweifelt versuchte die vorhandene Situation zu verarbeiten. Doch es war nicht Meister Sirkos' Schuld. Es war seine eigene und das auf so vielen Ebenen, dass es unmöglich schien sie alle zurück zu verfolgen. Xine trug die Schuld an allem. Er trug die Schuld daran, dass man die Informationen nutzen konnte um die Mission zum Fehlschlag zu führen. Ihm ganz allein gelang es, sich an eine Frau zu binden. Sich von seinen Gefühlen leiten zu lassen und blind zu werden. So sehr er Siralis für ihren _Verrat_ verflucht hatte. So blind war er. Sie tat was auch immer sie für richtig hielt doch er war es der erblindete...der blind werden wollte. Niemand anders trug dazu bei und egal wie sehr die Fasern seines Körpers sich gegen diese bittere Tatsache stellten...es war die Wahrheit und nichts würde dies ändern.


Xine entließ das Feuer aus seiner Obhut und wendete den Blick in den Wald. Da war es schon wieder. Dieses Gefühl, dass er beobachtet würde. Etwas schlich sich seit Tagen an ihn heran. Beobachtete ihn und verschwand genauso schnell wie es gekommen war. War es eine Einbildung? Seine innere Reue, die ihm mitteilte, dass er bald der Strafe für seine Taten entgegen treten musste? Vielleicht wurde er einfach paranoid. Menschen können wahnsinnig werden, wenn sie alleine sind. Ohne Kommunikation. Seine Stimmen waren ein Zeichen dieses Wahnsinns. Um sich nicht von der Kommunikation lösen zu müssen erfand er einfach Gespräche in seinem Kopf. Dabei handelte es sich nur um seine Gedanken und das war ihm bewusst aber es war auch irgendwie angenehm und beruhigend. Momentanes Streitthema war die bereits ausgeführte Fassung von "Schuld". Während die eine Seite versuchte den Körper zum Überleben zu zwingen und ihm Unterstützung gab, versuchte die andere Seite zu erläutern wie falsch es war das Leben zu nehmen. Jedi sind selbstlos und so war er erzogen worden doch wann gibt es diese Grenze? Leben Jedi nur für andere? Wie weit konnte man dies treiben? Überlebte er nicht auch für andere, damit er ihnen später helfen könnte?


Fragen über Fragen, welche mit Sicherheit in die philosophische Richtung wandern und keine klare Antwort zurücklassen. "Unmittelbare Schuld" nannte er es. Schuld, die man mit seiner Aktion direkt verursacht hatte. Eine Schuld, die durch den Nutzen, den langzeitigen Effekt zwar nicht getilgt aber begründet werden kann. Wieder schwenkte der Padawan mit den Augen zum Feuer. Das destruktive Feuer, welches alles vernichtet und dennoch. Es vernichtet um neu zu erschaffen. Etwas destruktives wird benutzt um etwas nützliches zu erzeugen. Langsam schloss Xine die Augen und atmete durch. Im Klang des Knisterns tauchte er hinab. In die Macht. Dort wo seine Fragen keine Rolle spielten.