0 VC - Myradien dunkler Lichter

Der Tag begann friedlich, ruhig und wie jeder andere Tag zuvor. Niemand hatte etwas schlechtes im Sinn. Es gab keine Aufruhr, keine Konflikte. Dieser Tag hätte so werden können wie all die Tage zuvor. Man würde aufstehen, zum Unterricht gehen, lernen, meditieren, essen und schlafen. Ein vollkommen normaler Tag, der damit endete als ein Frachter die Haupthalle stürmte, als die Sith den Tempel angriffen, als die Ordnung zerbrach und alles zerstört wurde, dass wichtig war. Statt Ruhe und Gelassenheit, durchzogen Schmerz, Angst und Hass die Hallen des Tempels. Binnen von Sekunden, von Momenten zerbrach die heile Welt wie ein Spiegel, aber tausende Splitter schnitten in das seelische Fleisch und die aufkommende Dunkelheit war so nah, wie noch nie zuvor. Die Situation war surreal und so fühlte es sich nicht an wie derselbe Tag an dem man aufgestanden war. Es fühlte sich nicht mal so an, als ob die Zeit überhaupt voranschritt.


Zunächst war es Verwunderung ob der tiefen Impulse im Inneren, dann äußerten sich Kopfschmerzen und an dem Zeitpunkt wo Meisterin Gussa den Raum stürmte und alle Jünglinge hinaus hetzte, war klar, dass etwas schreckliches passiert sein musste. Ihre Stimme, ihre Kleidung und das angestrengte Gesicht bestätigten die Vermutung. Die Jünglinge bemerkten gar nicht das Blut in ihrem Gesicht, dass nicht von ihr zu stammen schien. Keine Fragen, keine Gedanken nur bloßes Vertrauen und Angst erfüllte die Jünglinge, die sofort den Anweisungen folgten und sich an der Hand nahmen um Meisterin Gussa zu folgen. Sie leitete die Jünglinge aus dem Klassenraum durch die vielseitigen und weitläufigen Gänge des Tempels hindurch. Sie hielt kurz inne und die Kinder blieben wie eine Raupe gemeinsam stehen. Gussa lugte um die Ecken, ihr Blick war eisern, verhärtet und dann ging sie los und im Gleichschritt folgten ihr die kleinen Welpen. Immer wieder fluchte sie, sprach laut ihre Gedanken aus, so als ob dieses helfen würde sie zu sortieren. Über Trümmer und zerbrochene Figuren hinweg. Sie sprach kaum und wenn dann nur im harschen Militärston, befahl den Jünglingen über die Trümmer zu klettern, sich gegenseitig zu helfen. Fast dreißig Kinder und sie war deren einziger Schutz, dreißig Leben, die es zu erhalten gab. Xine wurde von seinem Jünglingsfreund über die Trümmer gezogen, seine Worte waren wie Rauch, seine Kraft nahezu taub. Der rothaarige Junge war zu sehr auf die Situation fixiert als überhaupt etwas zu spüren. Seine Angst lähmte seine Sinne und so griff er die Hand eines anderen Jünglings fester.


Meisterin Gussa schnaufte, ihre Hand zitterte - dachte Xine - doch war seine Beobachtung nicht weiter als leere Impulse. Die Blasterbolzen und Lichtklingen, die in der Haupthalle wilderten waren nur ein Meer aus Licht. Von der hohen Brücke so weit weg, fühlte es sich surreal an, wie ein Bild dass man betrachtete. Er spürte nichts, bis eine Explosion die Hälfte der Jünglinge hinter ihm in die Macht riss und die Brücke zerstörte. Erst dann spürte er es, spürte den Schmerz, den Tod und die tausenden Präsenzen, die nacheinander erloschen. In seinem Kopf bildete sich ein Wirbel aus Angst und den neuen, penetranten und kaum zu kontrollierenden Eindrücken. Er hatte Schmerz gespürt und Wut aber diese Dunkelheit und dieses Ausmaß war vollkommen neuartig. Vollkommen unkontrollierbar.


Der rothaarige Junge brach zusammen, Tränen flossen über das Gesicht und es war zu schwer sich zu bewegen. Wie vereist fühlten sich seine Gliedmaßen an. "Komm jetzt", brüllte ihn der Nautolaner an, vielleicht ein Jahr älter als er. "Komm jetzt!", riss der Jüngling an dem Rothaar. Meisterin Gussa war in dem Schock mit den anderen Jünglingen schon voraus geeilt, doch der Nautolaner blieb bei ihm. Seine Augen waren feucht, die Angst ließ seine Lippen erzittern und als er nochmal an der Hand von Xine riss, richtete dieser sich auf. Das Rothaar drückte sich an die Schulter des Verbündeten. Die Hand umschloss, die des anderen Jünglings fester und leise flüsterte er den Kodex, immer und immer wieder. Die Worte hallten im Kopf, versuchten die Geräusche der Blaster und Lichtschwerter zu übertönen. Immer wieder zuckten die Augenlieder als ein Jedi in die Macht einging, immer wieder zuckte der Körper als ein Sprengsatz detonierte und immer wieder erschütterte es das Innerste als ein weiterer Faden der Macht verschwand. Er wäre wohl Teil der Macht geworden, hätte er die Hand nicht so fest umschlossen. Der Jüngling zog ihn schnell in eine Ecke, riss an seinem Arm und flog mit ihm zusammen auf den Boden als, wie ein Meer aus leuchtenden Punkten, ein Blasterhagel auf die Gruppe hinabfuhr und Meisterin Gussa sowie den restlichen Jünglingen das Leben nahm.


Die Macht erwies sich als schmerzhafte Verbindung. Zum allerersten Mal, war es das Fühlen der Macht, die mehr Furcht in ihm erzeugte als alles um ihn herum. Von dreißig Jünglingen waren zwei übrig. Aus Myradien von Lichtern wurden zwei schwache Kerzen.


"Komm"


Der Jüngling riss ihn hoch, schleppte ihn mit sich. Er war nur eine Last, doch selbst hier, war es der Zusammenhalt, der sie prägte.


"Meister Soren-Ti! Wir sind hier!"


Er winkte mit einer Hand. Wedelte den Jedi samt seinem Padawan zu sich. In dieser Situation, in dieser Mischung aus Furcht und Aufruhr gab es vielleicht doch noch etwas Hoffnung.